Südafrika – Von Durban zum Kap der Guten Hoffnung (Seite 1 von 2) von Dr. Kathrin Kern
Deutsche Botschaft
Deutsche Botschaft Südafrika
Botschafter Walter Lindner
201 Florence Ribeiro Avenue, Groenkloof · Pretoria 0181
Tel. +27 12 4278900
Die Botschaft ist Ansprechpartner für Südafrika, Lesotho und Swasiland. Konsularischer Amtsbezirk: Provinzen Free State, Gauteng, KwaZulu/Natal, Northern Province, North West und Mpumalanga sowie Lesotho, Mauritius und Swasiland.
www.southafrica.diplo.de

Die schönste Art das wirtschaftlich stärkste Land des afrikanischen Kontinents zu bereisen, ist zweifelsohne eine Wohnmobil-Tour. Nachdem wir im ersten Teil unserer Südafrika-Reportage die Reiseroute von Johannesburg durch den Krügerpark und Swaziland an den Indischen Ozean nachgezeichnet haben, heißt unser nächstes Ziel: Durban. Es ist nach Jo‘burg und Kapstadt die drittgrößte Stadt des Landes und hat den bedeutendsten Hafen Afrikas. Mit ihrem subtropischen Klima und dem starken Einfluss indischer Einwanderer eine Welt für sich!

Durban.

Durban.

Die Golden Mile, der sechs Kilometer lange goldgelbe Sandstrand, bietet das ganze Jahr über Badevergnügen. Dafür sorgen der aus Mosambik die Küste entlang kommende warme Agulhas-Strom und sorgfältig aufgestellte Hainetze. Surfer lieben die gleichmäßig starke Brandung, und wir lassen die Seele baumeln bei einem Spaziergang auf der Promenade. Im Indischen Markt werden wir überwältigt von der Vielfalt der Gerüche und dem farbenfrohen Angebot an Perlenketten und orientalischen Gewürzen.
Leider herrscht auch in dieser bunten quirligen Stadt eine hohe Arbeitslosigkeit und bei weitem nicht alle Einwohner verfügen über Elektrizität oder eine eigene Toilette. Rund ums Zentrum breiten sich entlang der Hügel riesige Townships aus, in denen eigene Gesetze herrschen. Wir sind bestürzt über die Lebensbedingungen, die für so viele Menschen wahrscheinlich für immer unüberwindbar bleiben. Gleichzeitig geht uns das Lächeln zu Herzen, mit dem die gerade nach Hause kommenden Schulkinder uns für die wenigen Süßigkeiten danken, die wir zufällig dabei haben. In Südafrika besteht Schulpflicht und es fällt immer wieder auf, dass auch die Kinder aus den ärmsten Siedlungen adrette Schuluniformen tragen und uns höflich und fröhlich begegnen. Möge Bildung das Tor zu einer besseren Zukunft für sie sein!

Golden Gate Nationalpark
Wir wollen weiter, wieder hinaus aus der Großstadt und hinein in die umwerfende Natur Südafrikas. Um Durban herum rollen wir auf mehrspurigen, meist mautpflichtigen Autobahnen. Die Centbeträge, die am Kassenfenster angezeigt werden, entrichten wir gern für die Benutzung dieser modernen Verkehrswege. Aber dann erwarten uns endlich wieder endlose schnurgerade Straßen ohne nennenswerten Verkehr aber mit ganz viel Landschaft drum herum. Nach einem Camp mit Blick auf den angrenzenden Golfplatz hat auch der nächste Übernachtungsplatz eine Traumlage: direkt unterhalb der Felsen des Golden Gate Nationalparks. Hier hat die Natur Sandsteinformationen geschaffen von bizarrer Schönheit. Wenn die Abendsonne auf den Mushroom Rocks steht und ihre gelb-rötlichen Wände in orange-goldene Flammen taucht, dann versteht man, woher der Name des Parks kommt. Südafrika hat all diese besonderen Landschaften in staatliche Nationalparks verwandelt und erhebt dafür zusätzliche Gebühren zum Übernachtungspreis des Campingplatzes. Eine Art Kurtaxe, die man auch einmalig zahlen kann mit dem Erwerb einer sogenannten „Wild Card“. Dieser Jahrespass lohnt sich, wenn man ein paar Wochen im Land unterwegs ist, denn er gilt fast überall dort, wohin es Touristen typischerweise zieht – sogar an der Gondel auf den Tafelberg in Kapstadt.

Lesotho
Auf unserem weiteren Weg über Bloemfontein nach Kimberley hätten wir auch einfach drum herum fahren können, doch ein Abstecher über das Dach der Welt, wie Lesotho genannt wird, gewährt uns Einblicke in die Ursprünglichkeit Schwarzafrikas. Das kleine komplett von Südafrika eingeschlossene Königreich hat nur knapp zehn Prozent der Fläche Deutschlands. Zwei Drittel davon liegen auf über 2.000 Meter Höhe. Die gebirgige Enklave hat mit den Basotho eine homogene Bevölkerung und setzt sich nicht wie die meisten anderen afrikanischen Staaten aus vielen verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen. Außerdem kam hier nie der weiße Mann vorbei und übernahm das Sagen.
Wir passieren einen offiziellen Grenzübergang, bekommen zwei Stempel in den Pass und fallen mit unserem Wohnmobil in dem abgeschiedenen Bergländchen natürlich mächtig auf. Auf dem Weg durchs Landesinnere sind wir erstaunt über den modernen Zustand der Straßen, während die Bevölkerung vielfach noch in traditionellen Lehmhütten wohnt. Die meisten „Geschäfte“ sind primitive Buden am Straßenrand. Wir haben natürlich ein gewisses Problem damit, diese Armut vor Augen geführt zu bekommen und können kaum ohne schlechtes Gewissen weiterfahren.
Aber überall werden wir freundlich empfangen, und wieder einmal zeigt sich, dass die Menschen in anderen Teilen der Welt zwar nicht unseren Luxus kennen aber durchaus nicht unzufrieden wirken.
Die Gegend, durch die wir fahren, ist landwirtschaftlich geprägt. Wasser gibt es genug in dieser Höhenlage. Überall links und rechts sehen wir Hirten mit ihren Kühen, Schafen oder auch Ziegen. Sogar mitten in den wenigen Städten läuft das Vieh frei herum und niemand scheint sich darüber zu wundern. Die Wiedereinreise nach Südafrika geht problemlos. Unser Reisepass trägt nun stolz die Stempel von Lesotho!

Kimberley
Der Kontrast könnte größer kaum sein. Nach dem Ausflug durch ein Land voller Armut stehen wir am Inbegriff von Reichtum und Luxus und schauen hinab in die blaugrüne Tiefe des „Big Hole“. Die ehemalige Diamantenmine in Kimberley ist das größte von Menschenhand geschaffene Loch der Welt. Bis 1914 wurden mit relativ einfachen Werkzeugen und dem Schweiß Tausender Arbeiter über 22 Millionen Tonnen Gestein ausgehoben, in denen sich 2.722 Kilogramm Diamanten befanden. Diese Zahlen nennt zumindest die Fremdenführerin, die uns durch das Gelände begleitet, das heute zu einem interessanten Freilichtmuseum geworden ist. Südafrika und seine Diamanten sind untrennbar miteinander verbunden.

Valley of Desolation.

Valley of Desolation.

Wir wollen weiter nach Süden. In Graaff Reinet finden wir den einfachsten Campingplatz dieser Reise. Nur Barzahlung möglich! Ungewöhnlich in diesem Land, in dem man jedes Kaugummi mit Kreditkarte zahlen kann. Dafür erklimmen wir mit dem Wohnmobil eine steile fast einspurige Straße, die uns zu einem gigantischen Aussichtspunkt führt. Allein die Anfahrt ist den Ausflug wert. Nach einem kleinen Spaziergang blicken wir aus über 500 Metern Höhe hinein ins „Valley of Desolation“, ins Tal der Trostlosigkeit. Die durch Erosion entstandenen Felssäulen sind von bizarrer Schönheit und der Weitblick macht uns wieder einmal sprachlos.

Addo Elephant Park
Nach so viel spektakulärer Landschaft wollen wir endlich wieder Tiere sehen – der Hauptgrund unserer unstillbaren, immer wiederkehrenden Sehnsucht nach Afrika. Wir übernachten im Camp des Addo Elephant Parks. Von einem im Boden versenkten Beobachtungsplatz hat man freie Sicht auf ein großes Wasserloch. Wir harren schweigend aus und lauschen den inzwischen vertrauten Geräuschen der afrikanischen Buschlandschaft. Ein paar Warzenschweine erscheinen auf der Bildfläche, knien in der ihnen eigenen Art und Weise nieder, um zu trinken und verschwinden wieder im Gebüsch. Wir riechen ihn, bevor wir ihn sehen. Ein stattlicher Elefantenbulle kommt leichtfüßig näher. Bei einem Körpergewicht von sechs Tonnen erscheint die Beschreibung unpassend. Wer es einmal mit eigenen Augen gesehen hat, der versteht, was wir meinen. Elefanten machen riesige, raumgreifende Schritte und setzen ihre gepolsterten Füße sanft und lautlos voreinander. Faszinierend! Der Bulle trinkt ausgiebig und duscht sich den Rücken, bevor er eine Ladung Staub hinterherwirft. Manchmal hat man den Eindruck, er blickt uns in unserem Unterstand in die Augen. Droge Afrika: Wer den Tieren einmal so nah war, möchte sie immer wieder in ihrem natürlichen Lebensraum sehen.
Wir buchen eine Nachtsafari und entdecken überall glühende Augen in der Dunkelheit. Die Scheinwerfer des Jeeps scannen die Umgebung ab, und wir stellen fest, dass es in der Wildnis noch viel spannender ist, wenn man nichts sieht und es nur von allen Seiten rascheln hört. Ein ganz besonderes Erlebnis! Am nächsten Morgen fahren wir selbst auf staubigen Pisten mit dem Wohnmobil durch die unendlichen Weiten des Addo Parks dem Meer entgegen.

Tsitsikamma Nationalpark
An der Mündung des Storms River liegt der Tsitsikamma Nationalpark mit einem der schönsten Campingplätze der Welt. Wir stehen an einer Felsenküste und die gigantischen Wellen des Indischen Ozeans rollen direkt auf unser Wohnmobil zu. Wie auf allen Plätzen gibt es Feuerstellen, denn der Südafrikaner liebstes Hobby ist das Braii, das Grillen auf offener Glut. In erster Linie landen dabei Steaks auf dem Feuer von Springbock über Kudu, Oryx oder gar Krokodil.
Wir passen uns dieser Gepflogenheit gern an. Ein Feuer ist überall schnell entfacht und so gibt es meist „Draußenküche“. Insgesamt spielt sich das Leben in Afrika natürlich vielfach outdoor ab. Vom Campingplatz lässt es sich in einer guten Stunde zur berühmten Hängebrücke wandern. Sie überspannt in aufregender Weise die Mündung des Storms River und schwankt nicht schlecht, als wir sie forsch betreten. Man kann es nicht oft genug sagen: So schön und abenteuerlich ist Afrika!

Kapstadt.

Kapstadt.

Garden Route
Auf der Garden Route, der berühmten Traumstraße am Meer, fahren wir über das Küstenstädtchen George in die Halbwüste der Kleinen Karoo – in der Sprache der Buschmänner das „Land des großen Durstes“. Die weiten trockenen Savannen sind die Heimat der Strauße.
Wir besuchen eine der Showfarms, auf denen man vom Ei über die Aufzucht bis zur Vermarktung vieles lernt, bevor man im Souvenirshop eine edle Straußenledertasche erstehen oder im Restaurant ein Steak aus eigener Züchtung kosten kann. Auch Wetten können abgeschlossen werden, welcher Jockey seinen Rennstrauß schneller über die Ziellinie bringt.
Mit Tieren ganz anderer Art beschäftigt sich der „Whale Crier“ in Hermanus. Jedes Jahr von Juni bis Dezember kommen die Glatt- und Buckelwale an die felsige Küste dieses Städtchens gut 100 Kilometer südlich von Kapstadt, um sich zu paaren und ihre Jungen zu gebären. Ein fest angestellter Mitarbeiter der Stadt hält Ausschau und bläst in ein gewaltiges Horn, sobald er einen Wal gesichtet hat. Meeressäuger direkt vor der Haustür!

Kap der Guten Hoffnung
Bei einer Reise durch Südafrika darf natürlich auch die berühmte Weinregion um Stellenbosch, Paarl und Franschhoek nicht fehlen. In traumhaft schöner Landschaft kann man auf weiß getünchten Landgütern im kapholländischen Stil erstklassige Weine verkosten. Meist bietet ein angeschlossenes Restaurant edle Speisen zu unfassbar günstigen Preisen. Wir schließen uns einer Führung durch die ehrwürdigen Weinkeller an und dürfen auch den Arbeitern bei der Lese zuschauen.
Und dann stehen wir tatsächlich am Kap der Guten Hoffnung. Über den abenteuerlich in den Fels gehauenen Chapman‘s Peak, eine der berühmtesten Panoramastraßen der Welt, erreichen wir diesen südwestlichsten Punkt des Afrikanischen Kontinents. Vom Entdecker Bartolomeus Diaz ursprünglich Kap der Stürme genannt, wurde diese Landspitze lange Zeit für den Punkt gehalten, an dem sich Atlantischer und Indischer Ozean küssen. Wir wissen natürlich ganz genau, dass dieses Treffen bereits 140 Kilometer weiter südöstlich am Kap Agulhas stattfindet, denn auch dort sind wir vorbeigefahren. Reisen bildet!
Doch leider geht jede Reise irgendwann zu Ende. Bevor wir Kapstadt als letztes Highlight dieser Traum-Tour ansteuern, besuchen wir in Simon‘s Town am Boulders Beach die Brillenpinguine, die uns über Stege durch ihre Kolonie laufen lassen. Wer hätte das gedacht? Pinguine in Afrika! Es ist gerade Paarungszeit und die putzigen Tierchen buhlen in den höchsten Tönen umeinander.

Kapstadt
Wer Kapstadt hört, denkt automatisch an die exponierte Lage dieser Weltmetropole zwischen Tafelberg und Ozean. An vielen Tagen im Jahr überzieht den berühmten Table Mountain sein ebenso berühmtes Tischtuch aus herunterhängenden Wolken. Wir bummeln entlang der Waterfront, dem Nobel-Einkaufsviertel, in dem sich Touristen sorglos treiben lassen können. Zwischen teuren Geschäften und Restaurants sind Polizei und private Sicherheitsdienste präsent. Der Blick von hier auf den Tafelberg ist heute sagenhaft klar und wird durch den aufgestellten Rahmen zum Postkartenmotiv.
Quasi ein Muss ist aber der Blick auf Kapstadt von oben entweder in der Abendsonne vom Signal Hill oder vom Tafelberg, den man über Wanderwege zu Fuß oder mit einer Gondel erreichen kann. Das Fußballstadion der Weltmeisterschaft von 2010, auf einem der teuersten Grundstücke der Stadt, ist zu ihrem Wahrzeichen geworden.
Es gäbe noch so viel zu sehen und zu erleben. Sollen wir wirklich nach Hause fliegen? Schweren Herzens fahren wir das Wohnmobil zurück zum Vermieter. Wir haben das Heimflugticket bereits in der Tasche und das Versprechen im Herzen, dass wir wiederkommen werden. Mit der Sonne Afrikas im Gepäck planen wir die nächste Reise.
Seite 2 – Guide Südafrika mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen (und dem Straßenzustand), wichtige Telefonnummern, Wohnmobilstellplätzen in Südafrika und vielem mehr …

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