Bettsysteme für Wohnmobil und Wohnwagen von Theo Gerstl

Auf Wolken gebettet
Jeder von uns ist ein individuelles Wesen – mal ein Leichtgewicht, mal mit Speck auf den Rippen. Doch egal ob dick oder dünn, jung und durchtrainiert oder von den Zipperchen des Alters geplagt: In den meisten Reisemobilen und Wohnwagen werden Einheitsbetten von durchschnittlicher Qualität verbaut.
Dabei unterscheidet sich der Bettenbau im Wohnmobil oder Caravan deutlich von dem zuhause. Die vorhandenen Platzverhältnisse geben die Form der Schlafstätte vor, die oft tagsüber auch als Sitzgruppe fungieren muss. Da verwundert es nicht, dass bei vielen Reisenden Schlafbeschwerden das Urlaubsvergnügen schmälern. Doch damit muss man sich nicht abfinden: Praktisch jedes Bett im Reisemobil oder Caravan kann so optimiert werden, dass sich der Schlafkomfort spürbar verbessert – und dann auf dem von zuhause gewohnten Niveau liegt.

Schlafkomfort
Doch welche Faktoren entscheiden über den subjektiv empfundenen Schlafkomfort? Fakt ist, dass dieser ganz entscheidend durch den Aufbau der Liegefläche geprägt wird, wobei der Matratze die größte Bedeutung zukommt. Um „gut zu passen“, muss sie der menschlichen Ergonomie entsprechen – schließlich ist der Körper nicht eben wie ein Brett: Schulter und Becken sind breiter als die Taille und werden beim seitlichen Liegen stärker belastet. Dieser Kontur sollte sich der Bettenunterbau anpassen, damit keine Druckstellen entstehen. Wichtig ist, dass die Wirbelsäule in der persönlich bevorzugten Liegestellung – also auf der Seite beziehungsweise auf dem Rücken – möglichst gerade ausgerichtet ist. Denn sowohl das Durchhängen auf einer zu weichen Matratze als auch das verkrümmte Liegen auf einem zu hart gepolsterten Bett verbiegt die Wirbelsäule. Die Folge sind Rückenschmerzen, Muskelverspannungen oder eingeschlafene Arme.
Um dies zu erreichen, muss die Matratze an den unterschiedlichen Körperzonen mit angepasstem Gegendruck reagieren. Deshalb besteht eine gute Matratze aus fünf bis sieben Härtezonen, im Idealfall sind dies Kopf-, Schulter-, Lenden-, Becken-, Oberschenkel-, Unterschenkel- und Fußzone.

Hart oder weich?
Gleichzeitig benötigt ein schwerer Schläfer generell eine tragfähigere Matratze als ein Leichtgewicht. Entsprechend werden diese in verschiedenen Härtegraden hergestellt und in die Kategorien eins bis vier eingeteilt, wobei mit ansteigender Zahl der Gegendruck zunimmt. In der Praxis spielt jedoch der Härtegrad 1 nur bei Kinderbetten eine Rolle, da eine solche Matratze so weich ist, dass sie bei Erwachsenen die optimale Abstützung des Rückens nicht mehr gewährleisten kann – und H4 ist allenfalls für absolute Schwergewichte angemessen. Doch auch Körpergröße und Alter spielen bei der Matratzenwahl eine Rolle. So gilt die Faustregel, dass jüngere Menschen auf einer etwas härteren Matratze schlafen sollten, während Senioren einen Grad weicher wählen können. Die Liegefläche sollte gleichzeitig mindestens zehn (im Idealfall zwanzig) Zentimeter länger sein als der Schläfer und ihm auf jeder Seite mindestens fünf bis zehn Zentimeter Bewegungsfreiheit lassen – dann steht einer erholsamen Nachtruhe nichts mehr im Weg.

Materialeigenschaften
In den meisten Reisemobilen und Caravans kommt jedoch serienmäßig eine „Universal-Schaumstoffmatratze“ zum Einsatz – ohne Anpassung an die individuellen Bedürfnisse des zukünftigen Nutzers. Für sensible Naturen und Menschen mit Rückenproblemen ist das bereits im Neuzustand unbequem – und nach fünf bis acht Jahren ist das Bett dann ohnehin so durchgelegen, dass ein Austausch nötig wird.
Bei der Erneuerung gelten hochwertige Kaltschaummatratzen als erste Wahl. Für sie spricht zunächst einmal, dass sie problemlos auf jede vom Innenausbau vorgegebene Form zugeschnitten werden können. Auch lassen sich unterschiedliche Härtezonen integrieren, um den speziellen Dämpfungsanforderungen der verschiedenen Körperregionen Rechnung zu tragen. Durch die Ausbildung wellenförmiger Oberflächen oder „Tunnelkonstruktionen“ innerhalb der Matratze werden sie atmungsaktiv, und auch bei der Lebensdauer spielen hochwertige Kaltschaummatratzen ganz vorne mit.
Als Alternativen kommen Latex und viscoelastische Schäume für die Matratzenherstellung in Frage. Im häuslichen Bereich gilt Latex als hervorragender Matratzen-Rohstoff, im Reisemobil spricht jedoch gegen ihn, dass er schwer und nicht besonders atmungsaktiv ist. Dennoch können Latex-Matratzen speziell für Menschen mit Rückenproblemen im Reisemobil eine gute Lösung darstellen. Und wer auf Synthetik im Schlafbereich verzichten möchte, ist mit einer Matratze aus Natur-Latex gut betraten. Viscoelastische Schäume verfügen dagegen über thermoaktive Eigenschaften: Das bedeutet, dass sich ihr Härtegrad durch die Einwirkung von Körperwärme und -gewicht verändert, sodass sie sich förmlich um den Schläfer schmiegen. Allerdings muss man sich an diese Eigenschaften erst gewöhnen, da diese Veränderung zeitversetzt und abhängig von der Umgebungstemperatur erfolgt. Ihr hohes Gewicht und die geringe Atmungsaktivität sind der Grund, warum die Visco-Schäume – wie auch Latex – als Matratzenmaterial im Reisemobil nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Mit seiner „freepur Greefirst“ bietet Cowan eine ökologische Alternative zu herkömmlichen Kaltschaummatratzen, die für Allergiker besonders geeignet ist – besteht sie doch aus der Kombination eines PUR-Schaumstoffes auf Basis natürlich nachwachsender Rohstoffe und einer bioaktiven Antimilben-Ausrüstung.

Gütesiegel Raumgewicht
Die Qualität des bei der Matratzenherstellung verwendeten Schaumstoffes wird über sein „Raumgewicht (RG)“ definiert, das in der Einheit Kilogramm pro Kubikmeter (kg/m³) angegeben wird. Je höher das Raumgewicht bei gleichem Härtegrad, desto bessere Eigenschaften weist die Matratze auf. Dabei sind Kaltschaummatratzen mit hohem Raumgewicht in der Regel elastischer, tragfähiger und auch haltbarer als solche mit einem geringeren RG-Wert.
Als Faustformel kann man sich merken, dass eine gute Kaltschaummatratze ein Raumgewicht von 40 bis 50 kg/m³ aufweist. Eine hochwertige und haltbare Kaltschaummatratze kennzeichnet ein RG-Wert von 50 bis 75 kg/m³, und High-End-Kaltschaummatratzen erreichen ein Raumgewicht von bis zu 85 kg/m³.
Gleichzeitig muss man bei der Matratzenwahl aber auch die Waage im Auge behalten, denn mit dem RG-Wert steigt deren Gesamtgewicht ebenfalls. Entsprechend sollte der ideale Kompromiss zwischen Schaumstoffqualität und Dicke der Matratze gefunden werden.
„Wasserbett-Komfort für unterwegs“ verspricht beispielsweise der Schlafspezialist BB Walder für seine Kaltschaummatratze „galaktika premium 70“. Ihr Raumgewicht von 70 kg/m³ sowie eine Sieben-Zonen-Würfeloberfläche sorgen für eine optimale Körperanpassung und Luftzirkulation. Für ein schwereloses Liegegefühl sorgt eine zusätzliche Stauchhärten-Reduzierung, und ihr Bezug mit sogenannten „Lüftungsrosten“ gewährleistet eine nochmals optimierte Belüftung.

Lattenrost & Co
Selbst die beste Matratze kann ihre Qualitäten nur dann optimal zur Geltung bringen, wenn sie auf einem geeigneten Unterbau ruht – denn erst dieser garantiert eine ideale Abfederung und Entlüftung. Wobei gerade letzterer eine große Bedeutung zukommt, da jeder Mensch pro Nacht rund einen Liter Feuchtigkeit ausdünstet – und die muss im Laufe des Tages wieder aus dem Bett verdunsten, damit weder Stockflecken noch Schimmel eine Chance haben. Diese Aufgaben erfüllt in der Regel der gute alte Lattenrost. Bei ihm gilt es darauf zu achten, dass seine Federholzleisten, die als tragende Elemente dienen, in ausreichender Anzahl vorhanden sind. Außerdem sollten sie beweglich gelagert und im Bereich der Lendenwirbel in ihrer Härte verstellbar sein.
Als Alternativen zum klassischen Lattenrost finden Federelemente aus Kunststoff immer mehr Verwendung, die verschiedene Hersteller im Programm haben. Am bekanntesten ist hier das Froli-System. Bei ihm werden flexible Kunststoff-Federelemente zu einer Matte verclipst, sodass sie eine Unterfederung der Matratze bilden und gleichzeitig für eine gute Unterlüftung sorgen. Jede einzelne Feder passt sich dabei „punktuell“ an die Körperkontur und das Gewicht an. Damit dies optimal möglich ist, gibt es die Kunststofffedern in verschiedenen Härtegraden (soft, medium und hard), zusätzlich lässt sich der Gegendruck durch das Einsetzen von Spannkreuzen gezielt erhöhen. Da aber selbst die ausgeklügeltste Unterfederung auf eine darauf abgestimmte Matratze angewiesen ist, hat Froli maßgeschneiderte Mobil-Matratzen im Programm.

Speziallösungen
Da die Betten in Reisemobilen oftmals nicht rechteckig sind, sondern beispielsweise zum Fußende hin schmaler auslaufen, ist häufig ein individueller Zuschnitt der Matratzen erforderlich. Darauf sind die Bettenhersteller vorbereitet und stellen anhand von Zeichnungen oder zugesandten Papierschablonen passgenaue Maßanfertigungen her. Wer diese Vorlagen nicht selbst anfertigen möchte, dem hilft eine Reise zum Bettenprofi weiter, der diese Aufgaben dann übernimmt.
Wie vielseitig die Matratzenformen in Reisemobilen sind, zeigt sich exemplarisch bereits daran, dass der Hersteller „Wohnwolke“ elf verschiedene „Formbeispiele“ auf seiner Website auflistet – mit abgeschrägten oder gerundeten Ecken beziehungsweise der Kombination aus beidem – bis hin zum Alkovenbett mit vertikalem Schrägschnitt auf der Seite.
Neben der üblichen Lieferung zum Kunden bieten Hersteller, wie beispielsweise die schwäbische „Traum-Fabrik“, auch einen „Stop-Over-Service“ an: Das heißt, nach vorheriger Terminvereinbarung werden die Matratzen innerhalb eines Tages gefertigt – während der Kunde auf dem kostenlosen Stellplatz vor Ort auf sein neues, maßgeschneidertes Bett warten kann.
Manchmal sind jedoch die Grundanforderungen an ein bequemes Bett – also eine individuell abgestimmte Matratze auf einem federnden und luftdurchlässigen Unterbau – technisch nicht umsetzbar, weil beispielsweise die Dinette nachts zur Schlafgelegenheit umgebaut werden muss. Matratzenauflagen aus viscoelastischem Schaum gleichen in diesem Fall die ­Unebenheiten aus. Diese in verschiedenen Dicken lieferbaren Topper sind ­atmungsaktiv, fördern den Abtransport von Schwitzwasser und lassen sich tagsüber zusammenrollen, um sie platzsparend verstauen zu können.
Steht dagegen – beispielsweise bei Etagenbetten – eine geringe Kopffreiheit dem Bettenunterbau per Lattenrost oder Tellerfeder-Systemen entgegen, sind sogenannte „Abstandsgewirke“ als Problemlösung angesagt. Diese aus steifen Kunststofffasern gefertigten Abstandsgewebe sind nur rund einen Zentimeter dick und sorgen trotzdem für eine ausreichende Unterlüftung der Matratze – eine wesentliche Steigerung des Federungskomforts darf man von ihnen jedoch nicht erwarten.
Fehlt dagegen gar eine Schlafgelegenheit für einen zusätzlichen Gast, lassen sich die Sitze im Fahrerhaus durch spezielle Umbausysteme zum vollwertigen Bett modifizieren. So bestehen die VanSleep-/CampSleep-Zusatzbetten aus einer rund zwölf Zentimeter dicken Matratze, einer Holzunterlage und werden per Gurt stabilisiert. Dabei sorgen drei verschiedene Modellversionen für eine maßgeschneiderte Passform – egal ob für Transporter mit drei Sitzen im Fahrerhaus, Reisemobile mit zwei Sitzplätzen oder kompakte Kastencamper im Format des VW T6.

Vollendeter Schlafgenuss
Wenn der Bettenbau erst einmal stimmt, geht es im letzten Schritt um die Auswahl von Kissen, Bezügen und Decken. Hier lösen inzwischen Kunstfasern die herkömmlichen Federbetten und Daunenkissen immer mehr ab, denn sie sind vergleichbar atmungsaktiv, aber deutlich pflegeleichter. In der Regel kommen bei der Zudecke Polyester-Materialien zur Anwendung, die leicht wie Daunen sind und sich problemlos waschen lassen.
Für den passenden Temperaturhaushalt – sowohl im Sommer als auch im Winter – sorgen sogenannte „Kombi­decken“, die aus einem dünnen Sommerbett und einer dickeren Übergangsdecke bestehen, die sich zusammenknüpfen lassen und dann eine warme Winterdecke ergeben. Auf eine Kombination aus Kamelhaar und Polyester-Hohlfasern in einem Baumwollbezug setzt „Ott’s Traumwelt“ bei seiner Mobil-Plus-Kombidecke, die aufgrund ihrer Materialzusammensetzung in der Waschmaschine bei 30 Grad gereinigt werden kann. Deren „3-in-1-Konzept“ besteht aus einer leichten Kamelhaar-Sommerdecke für warme Nächte sowie einer Übergangsdecke für die Übergangszeit. Werden beide mit den eingearbeiteten Druckknöpfen miteinander verbunden, entsteht eine Bett­decke, die auch in Winternächten ausreichend wärmt.
Auch das kuschelige Federkissen hat im Reisemobil- und Wohnwagenbett inzwischen moderne Konkurrenz bekommen. Dank spezieller Formen und der Materialeigenschaften innovativer Kunststoffe, die spezielle Ausformungen ermöglichen, unterstützen sie den ­Nacken optimal – sowohl in der Rücken- als auch Seitenlage. Dass solche Spezialkissen inzwischen zu High-Tech-Produkten geworden sind, zeigt beispielhaft das neue „Comfort Kombi Kissen“ vom Bettenkontor Hages mit seiner ­variablen Höhenanpassung, die durch zwei Kerne im Inneren entsteht. Durch deren unterschiedliche Festigkeit kann man ­sowohl härter als auch – nach dem Umdrehen des Kissens – weicher liegen, wie man es eben gerade möchte.
Bei der Vielfalt der Materialien und ­Lösungen beim Bettenbau ist das „Probe­liegen“ vor der Kaufentscheidung auf jeden Fall unerlässlich, um das für einen selbst optimal geeignete Bett zu finden – zu unterschiedlich ist das Komfortempfinden jedes Einzelnen und zu individuell gestalten sich die persönlichen Schlafgewohnheiten. Ein entspannter, gesunder Schlaf ist letztendlich kein Produkt des Zufalls, denn mit der richtigen Kombination aus Komfortunterfederung, passender Matratze sowie geeigneten Decken und Kissen findet jeder seine wohlverdiente Entspannung auf Reisen.

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