Sonnendach, Markise und Vorzelt für Wohnmobil und Wohnwagen von Theo Gerstl

Wetterschutz
Wer im Frühsommer diesen Jahres Deutschland oder manch ein anderes mitteleuropäisches Nachbarland zu seinem Reiseziel erkoren hatte, der weiß ein Lied über alle möglichen Wetterkapriolen zu singen – ganz abgesehen von den Unwettern mit Hagel, Sturm und Starkregen ist kaum ein Tag vergangen, an dem der Himmel seine Schleusen nicht zumindest ein wenig geöffnet hatte. Das exakte Gegenteil erwartet den Reisenden dagegen in den Hochsommermonaten in südlichen Gefilden: Die Hitze steigt an vielen Sonnentagen in unangenehme Höhen, und die nach Sport, Kultur oder Strand verdiente Ruhe lässt sich nur im etwas Abkühlung spendenden Schatten genießen. Schon ein einfaches Sonnendach oder – komfortabler – eine Markise, die sich zum Vorzelt erweitern lässt, schaffen einen mehr oder weniger wetterfesten Wohnraum vor dem Caravan oder Reisemobil.

Das Sonnendach für das Wohnmobil – die Einstiegsklasse beim Wetterschutz.   Foto: Werk

Das Sonnendach für das Wohnmobil – die Einstiegsklasse beim Wetterschutz.

Minimallösung Sonnendach
Nur ein paar Kilo schwer und bereits für knapp hundert Euro zu haben, stellen simple Sonnendächer die Einstiegsklasse beim Wetterschutz dar – speziell wenn Gewicht und Budget im Fokus der Entscheidung stehen. Dafür muss man beim Aufbau Komforteinbußen hinnehmen, da mehrere Arbeitsschritte nötig sind. Im Stauraum transportiert, muss das Sonnensegel am Urlaubsort erst entpackt, dann auseinandergefaltet und schließlich am Fahrzeug befestigt und abgespannt werden. Während beim Caravan die Verbindung durch das Einschieben in dessen Kederleiste hergestellt wird, erfolgt die Befestigung an Campingbussen entweder mit großen Saugnäpfen an der Karosserie oder mittels Schraubschellen an der Regenrinne des Fahrzeuges – eine Stange im Hohlsaum des Sonnendaches sorgt dabei für Stabilität. Für einen sicheren Stand muss die Stoffplane auf der gegenüberliegenden Seite noch per Aufstellstangen und Abspannleinen, Schnüren und Heringen aufgebaut werden.

Manuelle Markisen: Preiswert, leicht und komfortabel
Viel einfacher geht der Aufbau bereits bei manuellen Markisen, die ebenfalls mit geringen Preisen ab rund 300 Euro und niedrigem Gewicht ab circa sechs Kilogramm punkten. Möglich wird dies, da bei deren Konstruktion auf den Kurbelmechanismus klassischer Markisen verzichtet wird.
Weil praktisch alle Wohnwagen, aber nur wenige Reisemobile, über eine Kederleiste verfügen, gibt es diese manuellen Markisen in zwei Ausführungen: Als Sack- oder Etuimarkisen finden sie vor allem bei Campern Verwendung. In diesem Fall befindet sich das Dachtuch zusammen mit den Stützfüßen und Spannarmen zusammengerollt in einem Markisensack, der bei der Erstmontage in die Kederleiste des Campers eingezogen wird und damit auch wieder abgenommen werden kann – beispielsweise beim Verkauf des Caravans.
Manuelle Kastenmarkisen sind dagegen in ein stabiles, starres Gehäuse integriert, das mit dem Reisemobil verschraubt wird, an dem ja in aller Regel keine Kederleisten vorhanden sind. Egal ob Etui- oder Kastenmarkise: Am Stellplatz angekommen, werden sie von Hand ausgerollt, wobei die Stützbeine und Spannarme automatisch ausschwenken.
Voll im Trend liegen winkelförmige Sackmarkisen, wie sie beispielsweise Fiamma oder Taubenreuther im Programm haben. Die Fiamma Compass schmiegt sich kreisförmig um 270 Grad um das Fahrzeug und überdeckt damit sowohl eine Längsseite als auch das Heck kleinerer Reisefahrzeuge, wie Campingbusse oder ausgebaute Geländewagen. Zwei verschiedene Größen tragen den unterschiedlichen Fahrzeugformaten Rechnung.

Die klassische Kurbelmarkise – mehr Komfort, aber auch mehr Gewicht.   Foto: Werk

Die klassische Kurbelmarkise – mehr Komfort, aber auch mehr Gewicht.

Klassische Kurbelmarkisen
Noch mehr Komfort beim Aufbau bringen klassische Kurbelmarkisen – jedoch zu deutlich höheren Preisen und spürbar mehr Gewicht: Bei ihnen muss man – je nach Größe – ab rund 500 Euro aufwärts für manuelle und ab etwa 1.250 Euro für elektrisch betriebene Versionen rechnen, während sie – je nach Ausführung – das Fahrzeuggewicht um bis zu 65 Kilogramm erhöhen.
Je nach Dachform, vom Fahrzeughersteller vorgegebenen Befestigungspunkten und der Frage, ob sich die Einstiegstüren auch bei ausgefahrener Markise noch öffnen lassen, wird deren starres Gehäuse entweder auf dem Dach oder an der Seitenwand fest montiert. Passende Adapter zur Montage an den unterschiedlichsten Fahrzeugformen – vom Campingbus über den Kastenwagen bis zum Alkovenmodell – lassen sich ebenso problemlos finden wie verschiedenste Längen, passend zur Größe des Reisemobils. Im obersten Preissegment angesiedelt sind elektrische Markisen, die dann aber das Maximum an Komfort bieten: Per Tastendruck auf der Fernbedienung fahren sie motor-unterstützt aus und ein.

Sicherheitsvorkehrungen
Ungeachtet der Markisen-Konstruktion – ob nun manuell ausgerollt, gekurbelt oder per Elektromotor entfaltet – stützen sich diese auf Teleskopstangen ab, die vorne in der Abschlusskante des Auszugstuchs eingeklinkt sind und senkrecht auf dem Boden stehen. Damit die Markise nicht gleich beim ersten Windstoß abhebt und im schlimmsten Fall deren Gestänge und Gelenke beschädigt werden oder gar die Markisenbefestigung aus dem Fahrzeug reißt, sollte sie mittels Abspannschnüren und Erdnägeln sicher im Boden fixiert werden. Doch das funktioniert nur auf weichem Untergrund, nicht aber auf Asphalt oder Pflastersteinen: In diesen Fällen werden die Stützfüße in angeschraubte Aufnahmen an der Karosseriewand eingehakt, die aus diesem Grund auf jeden Fall montiert sein sollten. Naht jedoch eine Gewitterfront mit der Gefahr starker Windböen – wie wir es in diesem Jahr bereits des Öfteren erlebt haben – muss die Markise auf jeden Fall eingezogen werden, damit sie nicht beschädigt wird. Diese Sicherheitsmaßnahme sollte auch getroffen werden, sobald man den Stellplatz für längere Zeit verlässt, wie beispielsweise bei einem Tagesausflug.
Möchte man dies unbedingt vermeiden, weil beispielsweise die Markise mit Front- und Seitenwänden bestückt wurde und so zum Vorzelt aufgerüstet worden ist, das als Schlechtwetterschutz wertvolle Dienste leisten soll, muss die Markise rechtzeitig mit Sturmbändern gesichert werden. Außerdem ist es ratsam, Wasseransammlungen auf dem Dachtuch vorzubeugen, indem man zusätzliche Spannstangen anbringt oder durch „schiefes Aufstellen“ für ein Gefälle sorgt, über das Regenwasser ablaufen kann.

Markisen brauchen Pflege
Am letzten Tag auf dem Stellplatz gibt es viel zu tun: Das Equipment will gut verstaut sein, die Außenanschlüsse werden abgeklemmt, und am Schluss wird noch schnell die Markise eingefahren. Oft kommt sie feucht, verstaubt und schmutzig in ihren Kasten. Deshalb sollte sie spätestens am ersten sonnigen Tag zuhause zum Säubern und Trocknen wieder ausgefahren werden. Mit viel Wasser aus dem Gartenschlauch – nicht aus dem Hochdruckreiniger, der ist zu aggressiv für den feinen Markisenstoff – und einem Feinwaschmittel sowie Schwammtuch und Wischmop rückt man nun dem Schmutz zu Leibe.
Mit den Jahren kann der empfindliche Markisenstoff einen Riss abbekommen haben, und das Ein- und Ausfahren geht unter Umständen auch nicht mehr so geschmeidig von der Hand wie früher. Da helfen spezielle Reparaturkits aus dem Fachhandel weiter, mit denen kleinere Risse ausgebessert werden können. Einige Spritzer Kriech- beziehungsweise Multifunktionsöl machen die Gelenke, Scharniere und Seitenklappen des Gehäuses wieder leichtgängig, wobei ein abschließendes mehrfaches Ein- und Ausfahren das Öl gleichmäßig verteilt.

Sonderform freitragende Markisen
Eine konstruktive Sonderform sind die freitragenden Markisen, die vollständig auf Stützfüße verzichten können, da bei ihnen hoch belastbare Schultergelenke in den Spannarmen für Stabilität sorgen. Ihr Komfort-Plus liegt in der Praxis darin, dass weder Stützfüße die Bewegungsfreiheit einschränken, noch ein Stolpern über die Abspannschnüre droht. Da aber konstruktionsbedingt das gesamte Gewicht der Markise auf den Befestigungspunkten am Fahrzeug lastet, müssen diese entsprechend verstärkt sein. Und auch ein Abspannen ist bei freitragenden Markisen nicht möglich, weshalb ein Elektroantrieb, kombiniert mit einem „Windsensor“, zur Ausstattung zählen sollte. Dann ist sichergestellt, dass die Markise bei aufkommendem Wind automatisch einfährt – falls man beispielsweise bei einem plötzlichen Gewitter nicht in der Nähe des Stellplatzes ist.

Markisen-Vorzelte
Doch mit der Überdachung allein sind die Möglichkeiten der Markisen noch lange nicht erschöpft: Mit Seiten- und Frontelementen aufgerüstet, werden sie zum leichten Vorzelt, das den Wohnraum nach draußen erweitert. Da die ausgefahrene Markise bereits als Zeltdach dient, ist der Aufbau in kürzester Zeit erledigt, wodurch das Markisen-Vorzelt auch für Kurzaufenthalte ideal geeignet ist.
Mit dem neu entwickelten Flair Vario Modul II lässt dwt-Zelte sogar Sonnensegel zum leichten Reisezelt mutieren. Mit Seitenwänden, Vorderwand und Gestänge als Zubehör funktioniert das Flair Vario Modul II nach dem Baukastenprinzip: Mit Seitenwänden bestückt, sorgt das Sonnendach auch für Windschutz, und mit zusätzlich eingezippter Vorderwand mutiert es gar zum leichten Reisezelt. Ein optionales Dachspann-Tool hilft beim Ausspannen, und für die Erweiterung zum Zelt sind zwei verschiedene Gestängevarianten aus Stahl oder Aluminium als Zubehör erhältlich.

Frei stehende Vorzelte
Gegenüber den Markisen-Vorzelten haben „richtige“ Vorzelte für Reisemobile den Vorteil, dass sie stehen bleiben können, wenn das Fahrzeug auf Ausflugsfahrten geht. Da das Auf- und Abbauen mit dem entsprechenden Zusammenpacken der Markisen-Vorzelte entfällt und auch der Stellplatz nicht verwaist, sobald man nur zum Einkaufen fährt, empfehlen sich Vorzelte bei längeren Aufenthalten am selben Ort. Für eine wetterfeste Verbindung zwischen Vorzelt und Reisemobil sorgt eine Verbindungsschleuse. Werden Zelt und Reisemobil getrennt, sorgt eine verschließbare Rückwand für einen geschlossenen Innenraum, in dem Campingmöbel, Grill oder Sportgeräte sicher aufbewahrt werden können.
Geringes Gewicht und ein einfacher Aufbau kennzeichnen die aktuellen Neuentwicklungen bei den Vorzelten. So ersetzen leichte und flexible Gestänge aus High-Tech-Kunststoffen wie Carbon oder Fiberglas die bisherigen Alu- und Stahl-Konstruktionen immer öfter. Noch einen Schritt weiter gehen Vorzelte, bei denen Luftkammern aus Kunststoff in die Zelthaut integriert sind, welche die konventionellen Gestänge fast komplett entbehrlich machen und das Zeltgewicht auf oft kaum mehr als 15 Kilogramm reduzieren. Der Aufbau des Vorzeltes erfolgt durch einfaches Aufpumpen der Luftkammern, was eine Person in zehn bis 15 Minuten schaffen soll – versprechen die Hersteller.

Nützliches Zubehör
Mit dem passenden Zubehör können Markisen und Vorzelte den individuellen Anforderungen entsprechend optimiert werden. Neben den Klassikern wie „Wetterkits“ mit Abspannmaterial, ausrollbaren Vorzeltteppichen oder Schlafkabinen für eine moskitofreie und vor Bodenfeuchte geschützte Nachtruhe im Vorzelt, haben die Hersteller jüngst viele neue und kreative Zubehörartikel entwickelt; zum Beispiel die „Rain Guard“-Regendichtungen von Fiamma, die das Eindringen von Wasser zwischen der Markise und der Fahrzeugwand verhindern.
Die „Dometic PowerChannel“-Stromschiene macht dagegen das Markisenprofil zur Basisstation für elektrisch betriebene Zubehörgeräte: Leselampe oder Ventilator werden einfach in die nachrüstbare Stromschiene am Ausfallprofil eingeklickt, und schon versorgt sie der PowerChannel direkt aus der Bordbatterie mit Energie.
Fiamma hat mit der F70 dagegen eine neue Markise mit „Triple Guide“ im Programm. Sie verfügt über drei Kederschienen in der Frontblende, wodurch die Anbringung mehrerer Komponenten gleichzeitig möglich wird – wie beispielsweise die Frontwand für das Markisenzelt und die „Awning Hangers“-Wäschehaken aus dem Zubehörprogramm.
Für den leichteren Aufbau seiner Luftschlauch-Vorzelte hat Dorema eine elektrische Luftpumpe in Kombination mit dem Verteiler „Octopussy“ entwickelt, der vier Luftschläuche gleichzeitig aufbläst.
Peggy Peg – Spezialist für Fixierungssysteme – hat seiner bewährten „Fix&Go Anker Platte 2.0“ einen neu entwickelten Schraubhering mit Kontermutter zur Seite gestellt, mit dem das Abspannen von Sonnensegel, Markise oder Vorzelt auch auf harten, steinigen Böden zur leichten Übung wird.

Wir liefert was? *
Sonnendächer & Markisen


Dometic WAECO International GmbH
Hollefeldstraße 63 · 48282 Emsdetten
Tel. 02572-879195
Web: www.dometic.de/rv


Fiamma SpA
Via S. Rocco, 56 · I-21010 Cadarno al Campo (VA)
Web: www.fiamma.com/de


Thule nv
Kortrijkstraat 343 · B-8930 Menen
Tel. (+32)56-528899
Web: www.thule.com



Vorzelte


Brand Zelte
Jahnstraße 33 · 32361 Preußisch Oldendorf
Tel. 05742-9400
Web: www.brand-zelte.de


Brunner Outdoor
via Buozzi, 8 · I-39100 Bolzano
Tel.: (+39)471-542900
Web: www.brunner.it/de


Euro Trail (auch Sonnendächer)
Postbus 131 · NL-3640 Mijdrecht
Web: www.eurotrail.info


GÜSTO-Zeltmanufaktur GmbH
Am Weserufer 41 · 31592 Stolzenau
Tel. 05761-1075
Web: www.guesto.de


Herzog GmbH (auch Sackmarkisen und Sonnendächer)
Max-Eyth-Straße 8 · 74366 Kirchheim am Neckar
Tel. 07143-89440
Web: www.herzog-freizeit24.de


Isabella Vorzelte
Max-Planck-Straße 4 · 34253 Lohfelden
Tel. 0561-512033
Web: www.isabella.net/de


Outwell Vorzelte
Oase Outdoors, Kornvej 9 · DK-7323 Give
Tel. (+45)70228500
Web: www.outwell.com


Taubenreuther (z. B. Rhino Rack Foxwing)
Am Schwimmbad 8 · 95326 Kulmbach
Tel. 09221-95620
Web: www.taubenreuther.de


Ventura
Max-Planck-Straße 4 · 34253 Lohfelden
Tel. 0561-512033
Web: www.ventura-camping.com/de


Walker Campingstyle
Florijn 3 · NL-5751 PC Deurne
Tel.: (+31)493-314828
Web: www.walker-zelte.de


Wigo Zelte (auch Sackmarkisen und Sonnendächer)
Industriestraße 35-37 · 37235 Hessisch Lichtenau
Tel. 05602-917380
Web: www.wigo-zelte.de



Verkauf & Versandhandel


Der Freistaat
Ohmstraße 16 · 85254 Sulzemoos
Tel. 08135-937100
Web: www.derfreistaat.de


Frankana Caravan und Freizeit GmbH
Südstraße 4 · 97258 Gollhofen
Tel. 09339-9713600
Web: www.frankana.de


Movera GmbH
Holzstraße 21 · 88339 Bad Waldsee
Tel. 07524-7000
Web: www.movera.com


Reimo Reisemobil-Center GmbH
Boschring 10 · 63329 Egelsbach
Tel. 06103-400521
Web: www.reimo.com


Fritz Berger GmbH
Fritz-Berger-Straße 1 · 92318 Neumarkt
Tel. 09181-330159
Web: www.fritz-berger.de


* ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit

VN:F [1.9.20_1166]
Artikelbewertung
Bewertung: 0.0/5 (0 Stimmen)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



8 − 3 =

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>