Städte-Tour – Amsterdam von Johannes Kühner
Touristinfo
I amsterdam Visitor Centre Stationsplein
Stationsplein 10 · 1012 AB Amsterdam
Tel. +31-20702-6000
Öffnungszeiten: täglich 9.00–17.00 Uhr
Infos: www.iamsterdam.com

Sie ist eine von 1.300 – und sie gilt als die schönste Brücke der ganzen Stadt: Seit beinahe 350 Jahren verbindet die Magere Brug das Ost- und das Westufer des schmalen Flusses Amstel, war früher auch für den Autoverkehr geöffnet und heute nur noch für Spaziergänger sowie Besucher und Einwohner dieser fahrradvernarrten Stadt (bis zu 12.000 unkonventionell entsorgte Fahrräder fischen die Behörden übrigens jedes Jahr aus den Kanälen).
Was aber macht die Brücke so besonders? Zum Ersten ist es ihre Bauart: Das weiß gestrichene Konstrukt besteht aus Holz. Zum Zweiten ist es ihre Technik: Die Magere Brug ist eine Ziehbrücke, die per Kettenzug von Hand bedient werden kann. Mehrmals täglich geschieht das, wenn große Schiffe unter ihr hindurchfahren. Zum Dritten ist es aber auch ihr Antlitz jeden Abend. Dann leuchten die 1.200 Glühlampen auf, mit denen sie bestückt ist. Wie eine Krone thront sie über der Amstel, ihre Lichter spiegeln sich im Wasser.
Ein gutes Stichwort: Wasser prägt Amsterdam – ist die Stadt doch komplett durchzogen von Kanälen. Fast 170 sind es insgesamt, und der Grachtengürtel, der sich ringförmig um die historische Innenstadt zieht, ist seit 2010 sogar Unesco-Weltkulturerbe. In nur 40 Jahren sind die Wasserkanäle Anfang des 17. Jahrhunderts angelegt worden. Grund war die wirtschaftliche, politische und kulturelle Blüte im Goldenen Zeitalter. In anderen Worten: Der Stadt ging der Platz aus, weil immer mehr Arbeiter und Wohlhabende in die Welthandelsmetropole zogen. Über die Grachten ließen sich Waren einfacher zu neu errichteten Kaufmanns- und Lagerhäusern transportieren, zudem entstanden neue Wohnflächen.
Das Geheimnis schiefer Fassaden
Bis heute prägen viele dieser Gebäude das Bild von Amsterdam. Stundenlang kann man über schmale Ufergassen schlendern, eine Brücke nach der anderen überqueren und die Lösung für das eine oder andere Rätsel entdecken. Weshalb Hausfassaden beispielsweise häufig so schmal sind? Weil sich früher die Höhe der Steuern nach der Breite eines Hauses richtete. Eines der schmalsten Gebäude steht am Singel 168: Dessen Bewohner ist größer als sein Haus in der Breite misst. Oder weshalb sich Gebäude nach vorne neigen und einen Haken am Giebel haben? Weil sich Möbelstücke über die schmalen Treppenhäuser im Innern nicht transportieren ließen – weshalb sie über den Haken hinaufgehievt werden. Damit sie dabei nicht gegen Fenster knallen, sind die Fassaden schräg gebaut.
Zu sehen ist das überall – ob an den Kanälen des Grachtengürtels (Herengracht, Keizersgracht und Prinsengracht) – oder den Gewässern in der historischen Innenstadt. Auch dorthin sollte man sich abends einmal begeben – genauer: ins Rotlichtviertel (Rosse Buurt) direkt um die Oude Kerk herum. Klar geschieht hier Schlüpfriges und präsentieren sich Damen leicht bekleidet in bodentiefen Fenstern. Seit 2000 übrigens im weltweit ersten Land auf legale Weise. Doch es ist auch hier die Farbe des Lichts, die Spiegelungen im Wasser, die den schmalen Gassen eine besondere Atmosphäre verleihen.


Unterwegs in der Stadt
Auf 800.000 Einwohner kommen in Amsterdam 880.000 Fahrräder. Die Stadt ist hervorragend für Zweiradfahrer ausgebaut. Für Ortsfremde sind die Radler-Massen sogar gewöhnungsbedürftig. Leihfahrräder gibt es für 10,00 bis 15,00 Euro pro Tag. Alternativ geht’s flott mit Metro und Bus voran (ankommenden Bussen per Handzeichen signalisieren, dass man einsteigen möchte). Wer viele Museen besuchen möchte, sollte eine Museumskaart kaufen, die für 54 Museen Amsterdams gültig ist (Preis: 59,90 Euro). In die wichtigsten Museen kommt man auch mit der „I amsterdam City Card“ (65 Euro für 48 Stunden) – inklusive Gratis-Nahverkehr sowie Rabatten für den Fahrradverleih, Stadttouren und Restaurants.
www.iamsterdam.com


Rundgänge
Das Prinzip ist simpel: Zunächst sind die englischsprachigen Free City Tours kostenlos (Start am Hauptplatz Dam um 10.00, 10.30, 11.15, 13.30 und 14.15 Uhr). Zu erkennen sind die Guides an ihren Schirmen. Erst am Ende der dreistündigen Tour (inklusive halbstündiger Pause) zwischen Rotlichtviertel und Stadtteil Joordan entscheidet jeder selbst, wie viel er für die Tour bezahlen möchte. Die Touristenführer sind sehr unterhaltsam und engagiert und haben Geheimtipps (siehe „Restaurants“) ebenso auf Lager wie Wissenswertes zum Schmunzeln. In der Stadt der Grachten bietet es sich darüber hinaus natürlich an, ein Schiff zu besteigen und Amsterdam vom Wasser aus zu betrachten.
www.newamsterdamtours.com


Sehenswertes
Am Platz Dam schlägt das Herz von Amsterdam – und von dort breiten sich mehrere Straßen sternförmig in alle Richtungen aus. Zum Beispiel zum denkmalgeschützten Hauptbahnhof Amsterdam Centraal im Gotik-Stil (Tipp: Im Wartesaal steht ein Klavier, an dem Reisende immer wieder Konzerte geben). Auf halber Strecke prägt die Backsteinfassade der Börse (Damrak 243) das Straßenbild, die Architekt Hendrik Petrus Berlage bewusst schlicht entworfen hat, damit sie sich von der Hektik der Straße abhebt. Unmittelbar am Dam befindet sich der Königspalast. Dieses frühere Rathaus dient der königlichen Familie heute zu repräsentativen Zwecken und kann besichtigt werden.
www.beursvanberlage.nl | www.paleisamsterdam.nl


Museen
Die Atmosphäre ist gespenstisch, wenn man das Anne-Frank-Haus betritt und über mehrere lehrreiche Etagen hinaufsteigt zu jenem Raum mit dem Bücherregal, hinter dem sich das Geheimversteck von Anne Frank und ihrer jüdischen Familie verbarg (Prinsengracht 263–267). Für die Öffnungszeiten von 9.00 bis 15.30 Uhr muss man vorab ein Online-Ticket reservieren, ab 15.30 Uhr werden Wartende ohne Termin nach und nach hineingelassen. Nicht ganz so erdrückend ist Geschichtsunterricht im Amsterdam Museum (Kalverstraat 92), das einen unterhaltsamen Blick auf die Vergangenheit der Stadt wirft.
www.annefrank.org | www.amsterdammuseum.nl


Kirchen
Sind das jetzt Kirchen oder Museen? Manchmal schwer zu sagen: Die Nieuwe Kerk am Dam-Platz etwa dient häufig als Ausstellungsfläche. Eine versteckte Kirche trägt sogar das „Museum“ im Namen: Museum Amstelkring (Oudezijds Voorburgwal 38). Sie erzählt aus einer Zeit, als Religionen nur im Verborgenen ausgeübt werden durften und, versteckt hinter normalen Fassaden, ein erstaunliches Innenleben offenbaren. Eindeutig Kirchen sind die Westerkerk (Prinsengracht/Rozengracht) aus der Renaissance mit ihrer auffälligen Krone auf dem Turm sowie die Oude Kerk (Oudekerksplein 23) mit sehenswerten Malereien und holzgeschnitzten Bänken.
www.nieuwekerk.nl | www.opsolder.nl
www.westerkerk.nl | www.oudekerk.nl


Spezialitäten
An jeder Ecke Amsterdams gibt es Pommes Frites aus frisch geschnittenen Kartoffeln – ob in regelrechten Pommes-Restaurantketten oder kleinen Marktbuden (zu empfehlen ist jene auf dem Flohmarkt am Waterlooplein). Dazu gibt’s nicht nur Ketchup oder Mayonnaise, sondern eine Auswahl an bis zu 20 Soßen. Prinzipiell stehen die Holländer auf einfache Gerichte, etwa Stamppot aus Kartoffelpüree, Kohl, Sauerkraut, Zwiebeln und Spinat, dazu gibt’s eine braune Sauce und Wurst. In Kneipen stehen als Snack häufig Bitterballen auf dem Tisch: frittierte Fleischragoutbällchen mit Senf. Als Nachtisch – oder unterwegs auf die Hand – sollte man zu Stroopwaffeln greifen: Zwei dünne, feste Waffeln umschließen eine Schicht aus zähem Karamellsirup.


Restaurants
Holländisch essen gehen? Ja, das geht! Den Beweis liefert das Café Sonneveld (Egelantiersgracht 72–74). Unscheinbar liegt es unweit des Anne-Frank-Hauses an einer Straßenecke im Jordaan-Viertel und serviert ganzjährig das niederländische Traditionsgericht Stamppot (siehe „Spezialitäten“). Wer Glück hat, ergattert einen Platz im Freien. Bierfreunde sollten die Brouwerij ‘t IJ (Funenkade 7) besuchen. In einem ehemaligen Badehaus unter einer Windmühle gibt’s etwa zehn selbstgebraute Biere und dazu – um etwas im Magen zu haben – eine kleine Speiseauswahl, die man auf einer Terrasse im Schatten der Windmühle genießen kann.
www.cafesonneveld.nl | www.brouwerijhetij.nl


Braune Kneipen
Amsterdams Braune Kneipen haben eine lange Tradition. Für Einheimische sind sie wie ein zweites Zuhause, häufig treiben sich Katzen herum, und wegen ihrer gemütlichen Atmosphäre zwischen dunklem Holz auch für Touristen zu empfehlen. Ganz oben auf der Liste steht In ‘t Aepjen (Zeedijk 1) in einem der ältesten Gebäude der Stadt. Ihren Namen (übersetzt: „In den Affen“) hat die Kneipe aus einer Zeit, als Seeleute mit Souvenirs bezahlen konnten; dies sollen häufig Affen gewesen sein. Typisch ist auch das Café Karpershoek (Martelaarsgracht 2), dessen Boden – wie früher üblich – mit Sand bedeckt ist. Ansonsten: Einfach durch die Gassen treiben lassen und einkehren, wenn einem die Atmosphäre irgendwo zusagt – oder Musik zu hören ist (siehe „Am Abend“).
www.cafekarpershoek.nl


Einkaufen
Käse, Hering, Gewürze, aber auch Textilien und Blumen: Der Albert-Cuyp-Markt (Albert Cuypstraat) ist von Montag bis Samstag ein großer Basar, auf dem es alles Mögliche und Unmögliche zu kaufen gibt. Ähnlich geht es täglich außer sonntags auf dem Waterlooplein zu, wo sich beim bekanntesten Flohmarkt der Stadt die Altkleiderberge stapeln, Gebrauchtfahrräder ihre Besitzer wechseln und ansonsten allerlei Kitsch und Antiquiertes im Angebot ist. Wer es auf Blumen und Tulpenzwiebeln abgesehen hat, macht am besten einen Abstecher zum Blumenmarkt am Singel. Wer nichts kauft, kann sich dort zumindest treiben lassen, Düfte einatmen und auf Blumenfotosafari gehen.
www.albertcuyp-markt.amsterdam


Mit Kindern
Wie versorgen sich Bewohner eines Hausboots mit Wasser? Und wohin bringen sie ihr Abwasser? Antworten darauf bekommen Kinder (und ihre Eltern) im authentisch eingerichteten Houseboat Museum (auf der Prinsengracht 296). Immer noch neugierig? Dann auf ins Nemo (Oosterdok 2), ein Naturwissenschaftsmuseum zum Mitmachen. Am Dam (Hausnummer 20) warten dann Adele, Barack Obama und Justin Bieber aus Wachs in Madame Tussauds auf Besucher, und Fußballfans können sich im Ajax-Museum (Arena Boulevard 3) auf Tour ins Stadion des holländischen Clubs begeben – oder sich ein Heimspiel anschauen.
www.houseboatmuseum.nl | www.nemosciencemuseum.nl
www2.madametussauds.com | www.ajax.nl


Kunst und Kultur
Vincent van Gogh zählt zu den Begründern der modernen Malerei; Amsterdam widmet ihm ein Museum (Museumplein 6) mit 200 seiner Gemälden. In Sichtweite geht es zu weiteren Hochkarätern im Rijksmuseum (Jan Luijkenstraat 1). Eines der bekanntesten Gemälde des Museums ist Rembrandts „Die Nachtwache“ – obwohl dieser Künstler mit dem Rembrandthaus (Jodenbreestraat 4–6) ein eigenes Museum besitzt. Leicht zu übersehen ist das Homomonument: drei Dreiecke, von denen sich eines als Sockel vor der Westerkerk befindet, eines in Stufenform in der Keizersgracht und eines flach auf dem Asphalt nahe der Kirche – ein Monument für Toleranz.
www.vangoghmuseum.nl | www.rijksmuseum.nl | www.rembrandthuis.nl


In der Natur
Einmal pro Jahr öffnet Amsterdam an den Tagen der offenen Gärten (siehe „Termine“) seine Innenhöfe. Der Begijnhof (Begijnhof 30, Zugang vom Spui) mit kleiner Kirche hingegen ist das ganze Jahr zugänglich und eine kleine ruhige Oase inmitten der Innenstadt. Wie ein englischer Landschaftsgarten ist der Vondelpark angelegt. Er steht unter Denkmalschutz und lockt als Erholungsgebiet mit duftendem Rosengarten, einem Teehaus und einer Freilichtbühne. Im Stadtteil Westerpark ist auf einem alten Fabrikgelände eine Mischung aus Kultur und Natur entstanden. Wenn nicht gerade Veranstaltungen sind, kann man sich an Gewässer setzen und sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.
www.begijnhofamsterdam.nl


Am Abend
Wer vom Dam-Platz nicht ins Rotlichtviertel, sondern in die entgegengesetzte Richtung geht, kommt im Joordan-Viertel heraus. Vor allem am Wochenende gibt’s dort eine Tradition in vielen Kneipen: Auf Akkordeon und Gitarre spielen Musiker ach so traurige Schmachtfetzen über Hoffnung, Liebe und ihre Stadt. Zu diesen Mini-Konzerten kommen junge wie alte Amsterdamer gleichermaßen (etwa ins Café De Twee Zwaantjes, Prinsengracht 114). Da ausländische Filme in den Niederlanden mit Untertitel laufen, empfiehlt sich ein Besuch des Tuschinskitheaters. Dieses 1921 eröffnete Kino besticht mit seiner Atmosphäre im Jugendstil und Art-déco. Ein wahrlich ansehnliches Ambiente.
www.cafedetweezwaantjes.nl | www.tuschinski.nl


Umgebung
Von März bis Mai verwandelt sich der Keukenhof in Lisse (35 Kilometer südwestlich von Amsterdam) in die größte Blumenschau der Welt. Mehr als sieben Millionen Tulpenzwiebeln sorgen für ein Farbenmeer, dazu kommen weitere Blumen wie Narzissen, Nelken und Lilien. Das Wegenetz zwischen Beeten, Treibhäusern und idyllischen Seen umfasst insgesamt 15 Kilometer; und dazwischen gibt’s Blumen, die nach Persönlichkeiten benannt sind (Bettina Wulff, Paul McCartney …). Käseliebhaber sollten einen Abstecher ins 40 Kilometer entfernte Alkmaar machen. In mittelalterlicher Kulisse lockt ein Käsemarkt, der seit 1365 existiert und heute aus dem Verkauf ein touristisches Spektakel macht.
www.keukenhof.nl | www.kaasmarkt.nl


Fazit
Amsterdam hat nur knapp 800.000 Einwohner – und zählt neben London, New York und Shanghai dennoch zu den Weltstädten. Kein Wunder: Im Goldenen Zeitalter Anfang des 17. Jahrhunderts war die Metropole ein Schwergewicht. Spuren dieser Zeit zeigen sich noch immer – sei es in der Architektur oder in der Baukunst (Stichwort Grachtengürtel). Ein Wochenendausflug nach Amsterdam macht aber auch deshalb so viel Spaß, weil die großherzigen Holländer einen schnell mit ihrer Gelassenheit anstecken. Und Traditionen gibt’s obendrein auch eine Menge: auf dem Teller und in Gesängen in altehrwürdigen Kneipen.

Wohnmobil-Stellplätze & Campingplätze | Amsterdam
Amsterdam City Camp
Papaverweg 50 · 1032 KJ Amsterdam
GPS: 52°23’54.4″N/4°54’07.9″O
Mehr als 50 Stellplätze direkt am Meeresarm Ij, nur ca. 10 Minuten von der Innenstadt entfernt (inklusive kostenloser Fahrt mit der Fähre). Entsorgung chemischer Toiletten und Auftanken von Wasser möglich, allerdings keine Toiletten und Duschen vorhanden. Gratis-WLAN. Preis pro Reisemobil ab 15 Euro.
www.amsterdamcitycamp.nl


Camping Vliegenbos
Meeuwenlaan 138 · 1022 AM Amsterdam
GPS: 52°23’26.1″N/4°55’42.0″O
Stellplätze mit Stromanschluss, Servicestation für Abwasser, Chemietoilette und Trinkwasser. Warme Duschen vorhanden. Preis pro Reisemobil ab 26 Euro.
www.amsterdam.nl/vliegenbos

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