Städte-Tour – Frankfurt von Mathis Paus
Touristinfo
Tourist Information Frankfurt Hauptbahnhof
Hauptbahnhof, Empfangshalle · 60329 Frankfurt am Main
Tel. 069-21238800
Öffnungszeiten: täglich von 8.00 bis 21.00 Uhr
Infos: www.frankfurt-tourismus.de

Es ist wohl eine Mischung aus Stolz und Trotz, die einem Frankfurter innewohnt, wenn seine Heimatstadt einmal mehr als langweilig und provinziell betitelt wird. Stimmt nicht, heißt es dann postwendend. Frankfurt ist angesagt und kosmopolitisch. Da gebe es kein Wenn, kein Aber und erst recht kein Oder.
Klischees über die Mainmetropole gibt es zuhauf und es ist schwierig sie auszuräumen – erst recht, wenn sie weithin sichtbar sind. Denn egal, von wo und wie man nach Frankfurt kommt, das Erste, was der Reisende zu Gesicht bekommt, ist die schillernde Hochhaus-Silhouette, die der Stadt ihren Stempel aufdrückt. Nirgendwo in Europa stehen höhere oder mehr Wolkenkratzer als in der „kleinsten Metropole der Welt“. Die rund 680.000 Einwohner leben in einem Zwiespalt: Wie dem Bild, der reichen, allein an Kommerz und Börsenkursen orientierten Bankenmetropole widersprechen, wenn die Skyline aus verspiegelten, überdimensionierten Glastürmen besteht? Als Gegenpol müssen dann die berühmten Kinder der Stadt herhalten: Goethe, Fromm, Adorno, die für Kultur und Schöngeist stehen. Gibt es in Frankfurt nur diese beiden Extreme? Mitnichten! Aber sie machen Frankfurt gerade so interessant.
Die modernen Bankentürme und die Behaglichkeit der geschichtsträchtigen Altstadt (auch wenn das Viertel derzeit große Veränderungen durchlebt, insgesamt entstehen in Frankfurts Altstadt 20 Neubauten und 15 Nachbauten) sind Sinnbilder für die Gegensätze der Stadt am Main. Auf der einen Seite geschäftiges Treiben, auf der anderen langsames Flanieren. Es ist das andere Gesicht Frankfurts, das nur wenige kennen. Das Gesicht der Tradition, der Geschichte und nicht zuletzt der eigenen Identität. Statt über glatte Sandsteinquader spazieren die Menschen mal mehr, mal weniger geschickt über die unebenen alten Kopfsteinpflaster des alten Frankfurts. Geschichtsträchtige Orte wie die Paulskirche, der Römer oder die Alte Nikolaikirche treffen hier geballt aufeinander. So mancher Frankfurter meint den Geist von 1848 zu spüren, wenn er über die Bethmannstraße geht, die zur Paulskirche führt – Synonym und Wiege der deutschen Demokratie. Am 18. Mai trat hier erstmals die Nationalversammlung zusammen, um eine Verfassung für Gesamtdeutschland auszuarbeiten. Heute ist der klassizistische ovale Bau, der während des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde, um danach wieder originalgetreu aufgebaut zu werden, politische Gedenkstätte und Veranstaltungsort zugleich.
Frankfurt: Welthauptstadt des Buches
Mit dem Charme der Altstadt kann das Messegelände mit seinen funktionalen Megahallen nicht konkurrieren, aber eine Traditionsveranstaltung hat es dennoch für sich gewinnen können. Die Frankfurter Buchmesse, die einst im 15. Jahrhundert im Römer stattfand, ist die wichtigste Bücherschau der Welt. Über 250.000 Besucher strömen jedes Jahr nach Frankfurt, wenn die Literaturstadt ihre Tore öffnet – in diesem Jahr vom 19. bis 23. Oktober. Schöner Nebeneffekt der Messe: Das Lesefieber weitet sich auf die ganze Stadt aus. Museen, Kirchen und Parkanlagen verwandeln sich in Lesesäle. Besucher erwartet jedes Jahr eine große Auswahl an Ausstellungen, Filmen, Musikveranstaltungen und eben Lesungen.
Die Welt ist dann zu Gast in Frankfurt. Ob im modernen Bankenviertel oder dem historischen Zentrum: Die kleine, große Metropole am Main ist und bleibt ständig in Bewegung, gibt sich weltoffen und gemütlich zugleich.


Unterwegs in der Stadt
Der Nahverkehr ist nicht nur gut ausgebaut, mit Bus und Bahn sowie einigen kleinen Passagierschiffen auf dem Main ist er auch erstklassig vernetzt. Besonderer Clou: Mit der Fahr- und Sparkarte Frankfurt Card können Besucher ihren Aufenthalt bequemer gestalten, kreuz und quer durch die Stadt fahren und dabei die vielfältigen kulturellen Angebote zum vergünstigten Preis kennen lernen. In Museen und im Zoo winken bis zu 50 Prozent Rabatt. Alle Verkehrsmittel fahren in einer Taktung von circa zehn Minuten im Stadtgebiet. Eine Tageskarte für eine Person kostet 10,50 Euro, für Gruppen (bis zu fünf Personen) 20,50 Euro. Insider-Tipp: Wer bereits die Tageskarte für den Folgetag kauft, spart bares Geld. Nach derzeitigem Tarif: fünf Euro.


Rundgänge
Die Mainmetropole bietet für jeden Geschmack die richtige Entdeckungstour. Ob Einzel- oder Gruppenführung, Fahrrad- oder Bootstour, mit englisch- oder türkischsprachigem Guide – in Frankfurt alles kein Problem. Auch spezielle Nischen – Shopping, Beauty-, Friedhofs-, Restaurant- oder Fototour – sind im Angebot und werden immer häufiger nachgefragt. So wie die Segway Citytour Frankfurt: Mit den futuristischen Elektrorollern geht es umweltschonend durch die Gassen der Stadt. Neben dem fahrerischen Abenteuer gibt es zudem viel Wissenswertes über die Geschichte der Stadt zu erfahren. Der Preis für 2,5 Stunden beträgt rund 70 Euro.
www.frankfurter-stadtevents.de | www.segway-citytour.de


Sehenswertes
Wer das große Ganze im Blick behalten möchte, dem sei der steile Aufstieg auf den Domturm (Domplatz 1) empfohlen. Von hier oben genießen Besucher einen wunderbaren Panoramablick über die Dächer der Stadt. Ein Klassiker ist der Römer (Römerberg 27), das Rathaus der Stadt. Hier wird seit über 600 Jahren Politik gemacht. Das Adorno-Denkmal, das bei einem Spaziergang über den gleichnamigen Platz besichtigt werden kann und an den Philosophen erinnert, sollte ebenso besucht werden wie das Goethe-Haus (Großer Hirschgraben 23–25). Das Geburtshaus von Johann Wolfgang von Goethe gibt Einblicke in die Lebenswelt des Dichtergenies.
www.domturm-frankfurt.de | www.frankfurt.de | www.goethehaus-frankfurt.de


Museen
Frankfurts Museumslandschaft trägt bereits seit Jahrzehnten zum guten Ruf der Mainmetropole als einer der wichtigsten Kunst- und Kulturstandorte Europas bei. Besuchern steht eine immense Themenvielfalt zur Verfügung. Ein lebendiger Ort des Entdeckens ist das Museum Angewandte Kunst (Schaumainkai 17). Hier erwarten die Besucher neben modernen Ausstellungen auch Vorträge. Das große Kulturangebot der Rhein-Main-Region wird im Museum Giersch gefeiert (Schaumainkai 83). Unter dem Motto „Von der Pferdebahn bis zur Neuzeit“ zeigt das Verkehrsmuseum (Rheinlandstraße 133) eine Sammlung von Schienenfahrzeugen und Omnibussen.
www.museumangewandtekunst.de | www.museum-giersch.de | www.hsf-ffm.de


Kirchen
Die Kirchen und Religionsgemeinschaften bieten den Frankfurtern spirituelle Heimat. Katholiken, Evangelen, Moslems oder Buddhisten leben ihren Glauben Seite an Seite. Auch kulturell tragen die Gotteshäuser zum Stadtbild bei. So wie der Kaiserdom (Domplatz 1), der eigentlich gar kein Dom ist. Denn Frankfurt war nie Bischofssitz. Aber die Kirche St. Bartholomäus war seinerzeit die Krönungskirche der deutschen Kaiser. Von seinem prächtigen Turm aus schweift der Blick bis zum Ende der Altstadt. Die älteste evangelische Kirche ist die Alte Nikolaikirche (Römerberg 11). Sie wurde bereits Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet.
www.dom-frankfurt.de | www.paulsgemeinde.de


Spezialitäten
Die ursprüngliche Küche der Metropole ist deftig und schmackhaft. Ein echter Klassiker ist die Grie Soß, eine Art „Nationalgericht“ der Frankfurter. Die auffällig grüne Kräutersauce wird zu fast jedem Essen gereicht. Ob zum Fleisch, Fisch oder zur Pellkartoffel, die Grie Soß darf nicht fehlen. Ein derber Dip ist das sogenannte Schneegestöber. Grundlage ist ein Camembert, der mit Frischkäse und Butter verrührt wird. Gewürzt mit Zwiebel, Rosenpaprika, Kümmel und Petersilie wird die Masse mit Graubrot serviert. Der bekannte Kuchen Frankfurter Kranz sowie das berühmte Frankfurter Würstchen sind über die Stadtgrenzen hinaus ein Begriff und erfreuen die Gaumen der gesamten Bundesrepublik. Nicht zu vergessen: der schmackhafte Apfelwein.


Restaurants
Wer zum Essen ausgeht, hat die Qual der Wahl. Gehoben geht es im Tiger-Gourmetrestaurant (Heiligkreuzgasse 16) zu. Die Preise haben es in sich, aber das Essen ist von herausragender Qualität. Besonders empfehlenswert sind die Fischgerichte, denn der Koch ist selber Angler. Um Fisch dreht es sich auch bei der Institution Fisch-Franke (Domstraße 9–11). Das Restaurant gibt es bereits seit den Zwanzigerjahren. Zünftig geht es im Platzhirschen (Mainwasenweg 34) zu. Hier trifft Bayern auf Hessen; Handkäs, Tafelspitz und Haxe werden erviert. Im Sommer bietet der Biergarten Platz zum Entspannen.
www.tigerpalast.de/de/gastronomie | www.fischfranke.de | www.platzhirsch-am-main.de


Cafés
Das Bitter und Zart in der Braubachstraße 14 ist ein eleganter Salon für Schokoladenfreunde. In allen Variationen wartet die süße Verführung. Statt Kaffee lieber die köstliche heiße Schokolade trinken. Exotisch geht es im Café Iimori zu. Hier ist die japanische Backkunst eine Liaison mit der französischen Küche eingegangen. Alle Köstlichkeiten sind mit viel Liebe von Gründerin und Chefin Azko Iimori hergestellt. Unbedingt probieren: die Birnen­tarte. Zeitgemäß, im schlichten skandinavischen Interieur, kommt das Café Opitz daher. Torten und Kuchen werden zum Espresso und Kaffee gereicht.
www.bitterundzart.de | www.iimori.de | www.mail6945.wix.com/jochenopitz


Einkaufen
Haupteinkaufsmeile ist die „Zeil“ inmitten der City. Große Center und Galerien führen die großen Marken und lassen Shoppingherzen höher schlagen. Nobelmeile ist die Goethestraße, die besser nur mit dem nötigen Kleingeld betreten werden sollte. Eine bunte Mischung findet sich im Nordend. Hier sind der Oederweg und die Bergerstraße gute Anlaufpunkte. Vor allem inhabergeführte Geschäfte haben sich hier niedergelassen. Schuhhandwerk bietet Ludwig Reiter am Rathenauplatz. Mit rahmengenähten Schuhen hat sich das Geschäft einen Namen gemacht. Aber: Ein klassischer Herrenschuh kann gut und gerne 600 Euro kosten.
www.zeilffm.de | www.ludwig-reiter.com/de/home


Mit Kindern
In Frankfurt können auch die Kleinsten viel erleben. Sogar Traditionshäuser wie die Oper (Opernplatz) bieten spezielle Angebote. Kinder, die schon selbst einmal das Phantom der Oper sein wollten, können die Kostüme ausprobieren und sich verkleiden. Im Sommer, wenn das Wetter mitspielt, lohnt sich ein Besuch im Frankfurter Zoo (Bernhard-Grzimek-Allee 1). Hoch hinaus geht es im Kletterzentrum (Homburger Landstraße 283). Auf einer Gesamtfläche von 1.250 Quadratmetern wartet viel Abwechslung. Der Eintritt für Kinder bis 13 Jahre beträgt neun Euro.
www.alteoper.de | www.zoo-frankfurt.de | www.kletterzentrum-frankfurtmain.de/start


Kultur
Die Städtischen Bühnen gehören schon seit Jahrzehnten zu den renommiertesten in ganz Deutschland. Waren es früher Brecht- und Aida-Inszenierungen, so werden derzeit viele Klassiker gespielt wie Shakespeares König Lear. Allerdings im modernen Gewand, wie im Schauspiel Frankfurt (Neue Mainzer Str. 17). Auch das Ballett hat in Frankfurts Kulturlandschaft verstärkt Einzug erhalten. Im Internationalen Theater Frankfurt werden alle erdenklichen Kunstformen auf die Bühne gebracht, wobei dem Tanz besonders viel Raum gegeben wird. Insgesamt versetzen Künstler und Ensembles aus rund 25 verschiedenen Kulturen die Besucher ins Staunen.
www.schauspielfrankfurt.de | www.internationales-theater.de


In der Natur 
Trotz immer mehr Beton und Stahl ist Frankfurt, und vor allem das Umland, mit seinen Grünflächen und Seen auch eine Reise für Naturliebhaber wert. Aber auch inmitten der Stadt geht es grüner zu als angenommen. So bietet die Mainmetropole seinen Bewohnern und Besuchern die stattliche Anzahl von insgesamt 40 Parkanlagen. Sie machen das hektische Treiben für einen Augenblick lang vergessen. Ruhe verspricht der Chinesische Garten, der zum Verweilen und Nachdenken einlädt. Durch geschickte Planung ziehen sich die Grünflächen durch die Stadt, ohne gänzlich abzureißen. Damit macht der sogenannte Grüngürtel rund ein Drittel der Stadtfläche aus.


Am Abend 
Wo viel gearbeitet wird, will auch entspannt und gefeiert werden. Allerdings ist die Freizeit-Geografie eher dezentral. Gibt es in anderen Städten In-Viertel, verteilt sich das Nachtleben in Frankfurt auf viele verschiedene Ecken. Ein toller Ort, der wie eine Mischung aus Bar, Tanzlokal, Jazz-Keller und Kunst-Galerie daherkommt, ist das Chinaski. Der großartigen Stimmung passen sich die aufwendigen Getränkekreationen makellos an. Musikliebhaber finden im Jazzkeller, Eingeweihte sprechen nur vom „Keller“, einen Ort zum Verweilen. Hier geben sich nationale und internationale Jazzmusiker seit 1952 die Ehre. Oft wird bis spät in die Nacht improvisiert und musiziert.
www.chinaski.me | www.jazzkeller.com


Umgebung
Schon die alten Römer wussten um die heilende Wirkung der vielen Quellen im Taunus, und auch heute noch lockt das Mittelgebirge, das sich nördlich von Frankfurt erstreckt, Badeliebhaber. Doch das Gebirge bietet auch Aktivurlaubern viel Freude – beim Wandern und Klettern. Eine halbe Stunde vom Stadtzentrum entfernt thront der Lohrberg. Frankfurts Hausberg ist mit seinen 185 Metern zudem ein weiterer Anlaufpunkt, um einen Panoramablick zu erhalten. Auf dem Areal ist mit dem MainÄppelHaus (Klingenweg 90) auch für das leibliche Wohl gesorgt. Hofladen und Bistro bewirten die Gäste mit Spezialitäten rund um den Apfel.
www.taunus.info | www.mainaeppel­hauslohrberg.de


Fazit
Frankfurt zeigt sich überaus facettenreich und ist weit mehr als nur Finanzmetropole, Hochhaus-Silhouette und Flughafen. Praktisch das ganze Jahr über gibt es hier etwas zu entdecken und vor allem zu erleben: ob Sehenswürdigkeiten, Kunstausstellungen, Theater oder Konzerte. Die Main-Metropole pulsiert und versprüht sogar internationalen Glanz. Trotzdem sind Tradition und vor allem politische Geschichte anzutreffen. Galt Frankfurt lange Zeit als verruchte Stadt, so hat es sich von diesem Image befreit. Frankfurt ist wieder mehr Gutenberg, Goethe und Adorno und will es in Zukunft auch bleiben.

Wohnmobil-Stellplätze & Campingplätze | Frankfurt
City Camp Frankfurt
An der Sandelmühle 35 · 60439 Frankfurt am Main
GPS: 50°09’50.7″N/08°39’36.6″O
Der Campingplatz ist ein guter Ausgangspunkt, um Frankfurt zu entdecken. Ein direkter U-Bahn-Anschluss sorgt für den Transport ins Zentrum. Eine Platzreservierung wird aufgrund des großen Andrangs empfohlen.
www.city-camp-frankfurt.de


Campingplatz Mainkur
Frankfurter Landstraße 107 · 63477 Frankfurt am Main
GPS: 50°08’17″N/08°46’55″O
Ein schöner Campingplatz für Frankfurt-Besucher. Allerdings ist der Platz nicht das gesamte Jahr geöffnet. Saison ist von April bis September.
www.campingplatz-mainkur.de

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