USA – Kalifornien (Seite 1 von 2) von Kathrin Kern
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Auf unserer Reisemobil-Tour von der Ost- zur Westküste der Vereinigten Staaten sind wir von New York über Washington, Miami, New Orleans, Houston und Dallas nun tatsächlich in San Diego angekommen. Schnell wird uns klar, dass diese von spanischen Missionaren gegründete Stadt am Pazifik zu den reizvollsten Metropolen gehört, die wir bisher gesehen haben.
Als erstes besuchen wir den Balboa Park, die grüne Lunge der Stadt. Die im spanischen Stil reich verzierten Gebäude, liebevoll angelegten Blumenbeete und riesigen Bäume vermitteln uns das Gefühl, in einer Oase spazieren zu gehen.
Im Stadtteil »La Jolla«, benannt nach dem spanischen Wort für »Juwel«, stehen wir plötzlich hoch oben an der zerklüfteten Küstenlinie und blicken hinunter auf eine azurblaue Bucht. Hier tummeln sich neben Wassersportlern aller Arten auch lautstarke Seelöwen in friedlichem Miteinander.
Natürlich wollen wir auch einmal über die Coronado Bridge fahren. Sie ist fast 3,5 Kilometer lang und verbindet die Stadt mit der gleichnamigen Halbinsel. Hier werfen wir einen respektvollen Blick auf das Hotel del Coronado, auch kurz »The Del« genannt. Dieses Luxusanwesen ist das älteste und größte Holzgebäude in Kalifornien und steht mit seinen 900 (!) Zimmern mittlerweile unter Denkmalschutz. 1958 diente es als Drehort für den Hollywood-Klassiker »Manche mögen’s heiß« mit Marilyn Monroe. Wir aber kehren nach der ausführlichen Stadtbesichtigung lieber wieder zurück in unser Reisemobil. Anstatt Luxushotel lieber der Luxus, hinfahren zu können, wohin wir wollen.

Tipp
Whale Watcher Cafe
The »Whale Watcher Cafe« in Gorda Springs direkt am Pacific Coast Highway ist quasi ein Geschenk für alle, die auf dem legendären Highway No. 1 unterwegs sind. Man braucht einfach einen Zwischenstopp, um die vielen Eindrücke dieser Traumstraße zu verarbeiten. Täglich von 7:30 – 21 Uhr (je nach Witterung) gibt es Frühstück, Burger und den allseits beliebten Karottenkuchen. Alles auch zum Genießen auf der hübschen Außenterrasse. Und mit ein bisschen Glück sieht man die Sprünge der Wale oder Delphine, die sich vor der Küste tummeln.

Auf nach Los Angeles
Richtungswechsel! Wir haben nicht gezählt, wie viele Tage wir seit dem Start dieser Reise nach Westen gefahren sind.
Heute nun haben wir die Richtung geändert und rollen an der Küste entlang gen Norden, der größten Stadt Kaliforniens entgegen – mit vier Millionen Einwohnern nach New York der zweitgrößten in den USA. Kein Wunder, dass die gut 200 Kilometer Autobahn zwischen San Diego und Los Angeles fast überall acht oder neun Spuren in jede Richtung haben, die alle heftig befahren sind. Glücklicherweise fahren die Kalifornier total entspannt – Stay cool, Baby! Und glücklicherweise können wir auf den Koa Campingplatz in Pomona einbiegen, bevor wir der Großstadt allzu nahe kommen. Von hier nehmen wir einfach den campingeigenen Tourbus, um die »Stadt der Engel« zu besuchen.
Unser erstes Ziel: Die Geburtsstätte von Los Angeles. Eine kleine spanisch-anmutende Kirche steht an der Stelle, an der 1781 die Stadt gegründet wurde. Vom spanischen Missionars-Stil zur glitzernden postmodernen Walt Disney Concert Hall in Downtown – der Kontrast hätte größer kaum sein können.
Als wir auf dem Hollywood Boulevard ankommen, tobt um uns herum das Leben. Wir treffen Spiderman, Micky Mouse, Charly Chaplin, und dann ist da noch eine Begegnung der besonderen Art … einmal die Rockzipfel von Marilyn Monroe halten dürfen … was für eine Show! Für ein paar Dollar kann man ein Foto schießen mit dem Double im weißen Kleid.
Wir treffen sie alle: John Travolta, John Wayne, Clint Eastwood und George Cloony … wenn auch nur in Form ihrer Hand- und Fußabdrücke. Auch den Stern von Michael Jackson auf dem Walk of Fame finden wir. Einer von inzwischen 2.400 Stars, die auf diese Weise verewigt sind. Und dann gibt es plötzlich einen Menschenauflauf vor dem berühmten Dolby Theatre. Der rote Teppich ist ausgerollt. Eine Filmpremiere! Wer da wohl am Abend zwischen den aufgeregten Fans einher schreiten wird?

Coronado Bridge – San Diego.

Coronado Bridge – San Diego.

Luxus in Beverly Hills
Von Hollywood nach Beverly Hills ist es ein Katzensprung. Die Villen der Stars sind alle gut eingewachsen. Die Gärtner haben ganze Arbeit geleistet. Vom Anwesen der Beckhams sehen wir leider nur eine Mauerecke mit Mülltonnen. Aber immerhin … theoretisch hätte David ja gerade ein paar Bierdosen entsorgen können, als wir vorbeikamen. Auch den Rodeo Drive wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen, eine der teuersten Einkaufsstraßen der Welt. Alles Gucci, oder was?
Nach so viel Luxus zieht es uns ans Meer nach Venice Beach. Überall bemalte Hauswände, junge Leute mit allerlei Sportgeräten, offensichtlich locker interpretierte Drogengesetze und flippige Verkaufsbuden. Hier steht die Wiege der Bodybuilding-Szene.
Einen ganzen Tag lang nehmen wir uns Zeit für den Besuch der Universal Studios, die zu einem Vergnügungspark ausgebaut wurden. Auf der berühmten Tram-Tour dürfen wir einmal durch die Kulissen des Filmstudios fahren, durch Städte, von denen nur die Vorderseite existiert. Wir erleben Katastrophen aller Art sowie brennende Statisten und entkommen nur knapp dem weißen Hai. Puuuh! Jetzt aber nichts wie raus aus der Großstadt.

Auf dem Pacific Coast Highway
Die längste Bundesstraße in Kalifornien ist 1.055 Kilometer lang und ein Sehnsuchtsort für viele USA-Besucher – der legendäre Pacific Coast Highway.
Wir benötigen fast zwei Stunden, um die Metropole hinter uns zu lassen und rollen an der »kalifornischen Riviera« entlang durch L.A.s berühmte Vorstädte Santa Monica und Malibu. Der Anblick der weißen Schaumkronen des Pazifiks, die Kurven, mit denen sich die Straße im weiten Bogen durch die Berge windet, und die Steilhänge zu unserer Linken entschädigen uns bald für den hinter uns gelassenen Großstadtverkehr. Die Küstenstraße, deren Mythos weit über die Grenzen der USA hinaus reicht, schraubt sich immer wieder in die Höhe und fällt im nächsten Moment steil ab auf Meeresniveau.
Auf einem dieser Parkplätze am Strand halten wir an und wundern uns über dumpfe Brüll-Laute. Hunderte von Seeelefanten liegen neben- und übereinander im Sand. Einige von den Meeres-Kolossen kämpfen und toben in der Brandung. Wir können uns fast nicht aufraffen, weiterzufahren. Ein beeindruckendes Schauspiel!
Der Highway No. 1 ist unbestritten der schönste Streckenabschnitt der gesamten bisherigen Reise.
Als Sahnehäubchen gibt’s für 10 US$ Maut noch den »17-Mile Drive« dazu. Diese schmale, kurvige, 27 Kilometer – also 17 Meilen – lange Privatstraße über die Halbinsel Monterey erscheint, als ob sie zu einer anderen Welt gehört. Hier wird hauptsächlich Golf gespielt. Auch die US Open werden auf diesen Golfplätzen ausgetragen. Alles wunderschön angelegt, überall Villen, Gärten und Hotels und dazwischen Strand, bizarre Bäume und zerklüftete Felsenküsten. Die »Lone Zypress«, die einsame zerzauste Zypresse, steht schon seit 250 Jahren auf ihrem Felsen im Meer und trotzt allen Pazifikstürmen. Es heißt, sie gehöre zu den meistfotografierten Bäumen Nordamerikas.

Tipp
Spinnaker
Wer von Downtown San Francisco über die Golden Gate Bridge fährt, gelangt auf der anderen Seite nach Sausalito, einen mondänen Vorort mit Boutiquen, Waterfront-Restaurants und Yachthafen. Man sollte im Spinnaker einen Tisch bestellen. Feine Küche – besonders Seafood – und bodenlange Panoramafenster. Hier lässt sich gepflegt speisen, umgeben von Wasser und Segelschiffen. Auch von dieser Seite der Bucht ein toller Blick auf die Skyline von Frisco. Täglich geöffnet.

San Francisco
Nach so viel spektakulärer Natur wartet die nächste Großstadt auf uns. Auf 43 Hügeln erbaut unter allgegenwärtigen Nebelschwaden und latenter Erdbebengefahr präsentiert sich San Francisco trotzdem als lebensfrohe, ein wenig ausgeflippte »City by the Bay«, als die Stadt an der Bucht. Ebendiese San Francisco Bay überspannt eines der berühmtesten Wahrzeichen Amerikas, die leuchtend karminrote Golden Gate Bridge. Seit 1965 wird die Hängebrücke ununterbrochen neu gestrichen. Sage und schreibe 34 Arbeiter tragen die Farbe mit der offiziellen Bezeichnung »International Orange« bei Wind und Wetter auf. Sobald sie auf der einen Seite fertig sind, fangen sie auf der anderen wieder an.
Das bunte, vielgesichtige Chinatown erobern wir zu Fuß. Wobei das Straßengefälle von San Francisco enorm ist, zum Teil über 30 Prozent. Überall geht es bergauf und bergab und zwar richtig steil. Nicht wirklich fußgängerfreundlich! Am besten man steigt in einen der berühmten Cable Cars. Zwei Mann Besatzung sind nötig: Ein Schaffner und ein Gripman, der im vorderen Teil des Wagens die Steuerhebel inklusive Schienenbremse betätigt. 60 Personen finden Platz in einem Cable Car, die Hälfte davon auf Sitzplätzen, die andere Hälfte muss sich außen anhängen. Ein tolles Erlebnis!
Da wir nun schon einmal in den Straßen von San Francisco unterwegs sind, wollen wir uns die berühmte Lombard-Street nicht entgehen lassen. Sie zählte einst zu den steilsten Straßen der Welt, was vielen Autofahrern und auch Fußgängern Probleme bereitete. Dann wurde sie entschärft, indem auf einem nur kurzen Abschnitt acht Kurven angelegt wurden, sodass die Strecke nun als Einbahnstraße serpentinenartig nach unten verläuft.
Ein weiterer Hot-Spot der Touristen ist die Fisherman’s Wharf, ursprünglich ein Anlegeplatz für Fischerboote. Heute sind die Holzhäuser am Pier umgestaltet zu angesagten Boutiquen und Restaurants. Von hier aus kann man die Fähre nehmen hinüber zur Gefängnisinsel Alcatraz, die seit 1963 ihren Schrecken verloren hat, für Führungen aber täglich viele Besucher empfängt.

Half Dome – Yosemite-Nationalpark.

Half Dome – Yosemite-Nationalpark.

Über die Sierra Nevada
Kalifornien hat 1.350 Kilometer Pazifikküste, viele faszinierende Städte aber auch das erste Naturschutzgebiet der Welt. Präsident Abraham Lincoln legte schon 1864 den Grundstein für den berühmten Yosemite Park. Mit dem Reisemobil tauchen wir ein in sein weites grünes Tal, das von einer gigantischen Bergwelt eingerahmt wird. Der 2.693 Meter hohe Half Dome ist das Wahrzeichen des Parks und gilt ebenso wie der El Capitan als Spielwiese vieler Kletterer.
Wir wählen die traumhaft schöne wenn auch kurvige Tioga Pass Road, die in West-Ost-Richtung durch den Yosemite Park führt, um die Sierra Nevada zu überqueren. Unterwegs bieten sich immer wieder Parkplätze an Aussichtspunkten für kleine Wanderungen an. Besonders reizvoll ist der Weg zum Tuolumne Grove, der uns zu einem kleinen Wäldchen im Tal führt, in dem Riesen-Mammutbäume stehen. Ehrfürchtig schauen wir an den majestätischen Stämmen hinauf, die gar kein Ende zu nehmen scheinen. Wie viele Winter mag so ein Giant Sequoia bereits erlebt haben? Und die Winter in dieser Bergwelt sind heftig. Das halbe Jahr über ist der Tioga Pass wegen riesiger Schneemengen nicht befahrbar. Wir sind zur richtigen Zeit hier. Wäre schade gewesen, wenn wir dieses Naturerlebnis verpasst hätten!
Wir fahren durch eine bizarre Landschaft, und zwischen all den hohen Felsen kommen uns die Reisemobile doch recht klein vor. Bevor wir den Pass erreichen, verzaubert uns der Anblick des Tenaya Lake. Die Indianer nennen ihn den »See der glitzernden Steine«.
Irgendwann ist es geschafft, wir sind auf 3.031 Metern Höhe angekommen und rollen nun auf steiler Abfahrt durch eine komplett andere Landschaft, durch Berge wie überdimensionale Geröllhaufen. Nach einer Übernachtung in dem kleinen Städtchen Lone Pine bereiten wir uns auf eine ganz spezielle Etappe vor. Diesmal geht’s nicht in die Höhe, sondern bis auf 85 Meter unter den Meeresspiegel. Von einem Extrem ins andere! Das ist Kalifornien!

Traum Death Valley
Wir sind auf dem Weg ins Death Valley. Zugegeben, wir haben einigen Respekt vor dieser Wüste, in der der tiefste Punkt Nordamerikas liegt und zugleich einer der heißesten und trockensten unserer Erde: 45 Grad im Schatten, Luftfeuchtigkeit unter 6 Prozent! Tapfer fahren wir dem Glutofen entgegen.
Es geht gehörig bergab. Ringsherum beeindruckende Felsen, aber die Straße ist glatt und breit und gut zu befahren. Kaum unten angekommen, müssen wir wieder klettern. Wir bewegen uns den ganzen Tag immer abwechselnd zwischen unter Null und 1.200 Metern Höhe. Überall warnen Schilder vor extremer Hitze und bitten, vor den Steilpassagen die Klimaanlage auszuschalten, um den Motor vor Überhitzung zu bewahren.
Die Landschaft wechselt ihr Gesicht von Minute zu Minute. Plötzlich kommen wir an hellgelben Sanddünen vorbei, die eigentlich zu einer Kletterpartie verlockt hätten. Doch der Sand ist so heiß, dass wir uns die Füße verbrennen würden. Außerdem warnt ein grellrotes Stoppschild in neun verschiedenen Sprachen davor, das Fahrzeug zu verlassen. Es ist schlichtweg zu heiß.
Tiefer und tiefer geht die Fahrt hinein ins Death Valley. Irgendwann zeigt eine Tafel bereits »100 feet below sea level«, das sind schon 30 Meter unter dem Meeresspiegel. Doch wir wollen zum allertiefsten Punkt. Am Badwater Parkplatz stehen wir auf dem Boden eines ausgetrockneten Salzsees auf 85,5 Metern unter Normalnull. Sagenhaftes Gefühl!
Der Höhepunkt unseres an Höhepunkten reichen Fahrtages ist jedoch ohne Zweifel der Zabriskie Aussichtspunkt. In den verschiedensten Farben leuchten bizarre Felsformationen wie aus einem Märchenland. Schwer beeindruckt von solchen Bildern fahren wir mit unseren kleinen Reisemobilen wieder hinauf in die reale Welt … zumindest kommt es einem so vor, denn das Death Valley scheint einem Traum zu entspringen.

Seite 2 – Guide USA mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, wichtige Telefonnummern, Reisemobilstellplätzen auf der CAMP24 Kalifornien-Tour und vielem mehr …

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