Heckträger für Kastenwagen und Wohnmobil von Theo Gerstl

Huckepack ans Ferienziel
Steht das Reisemobil erst einmal auf dem Stellplatz, Markise oder Vorzelt sind aufgebaut und der Wohnraum gemütlich hergerichtet, will man nicht wegen jeder kleinen Erkundungs- oder Einkaufstour wieder alles verstauen: Fahrrad, E-Bike oder Roller bringen die am Urlaubsort benötigte Mobilität – ohne großen Aufwand. Doch erst einmal müssen die Mobilitätshilfen selbst in Richtung Urlaubsdomizil transportiert werden. Das geschieht bei Reisemobilen in aller Regel per Transportlösungen am Fahrzeug-Heck, bei Caravans bietet sich als Alternative auch die Deichsel als Befestigungsort für Trägersysteme an.
Am einfachsten gestaltet sich der Transport von Bikes & Co, wenn im Reisemobil eine geräumige Heckgarage installiert ist. Doch auch der Transport im Fahrzeug – egal ob in der Garage oder im Fahrzeug-Innenraum – ist nur dann empfehlenswert, wenn entsprechende Haltevorrichtungen installiert sind. Der lose Transport im Wohnraum verbietet sich dagegen, weil die ungesicherten Fahrräder im besten Fall das Mobiliar verkratzen und im schlimmsten (Un-)Fall zu Wurfgeschossen werden.
Dass das Dach von Reisemobilen nicht als Ort für den Transport von Fahrrädern oder größeren Lasten geeignet ist, versteht sich nahezu von selbst: Schließlich ist der Versuch, ein unhandliches und gut zwanzig Kilo schweres (Elektro-)Bike über die schmale Heckleiter mit nur einer Hand auf drei Meter Höhe zu wuchten, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die hohe Dachlast würde sich darüber hinaus negativ auf das Fahrverhalten auswirken, und die gewachsene Fahrzeughöhe macht das Durchfahren von Unterführungen schließlich zum Vabanquespiel.
Also bleiben bei Reisemobilen ohne Heckgarage Transportlösungen für das Fahrzeugheck, die sowohl Fahrräder als auch E-Bikes oder kleinere Motorräder aufnehmen können. Durch optionale Transportboxen ist es darüber hinaus auch möglich, diese Heckträger zu Stauräumen auszubauen, die sperriges Campingequipment wie Klappstühle oder -tische aufnehmen. Dadurch wächst das Platzangebot im Innenraum beträchtlich, und selbst bei vorhandener Heckgarage machen Trägersysteme Sinn, schließlich kann der wettergeschützte Garagen-Stauraum für andere Transportaufgaben genutzt werden, wenn die Bikes außenbords auf dem Träger mitfahren. Sicheren Halt finden solche Transportsysteme entweder an der Fahrzeug-Rückwand, auf der Anhängerkupplung oder direkt am Chassis des Reisemobils.

Einfach auf die Anhängerkupplung
Die bewährten Klassiker unter den Heckträgern stammen aus dem Pkw-Bereich und finden per Klemm- oder Schraubverbindung sicheren Halt auf der Anhängerkupplung. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung ist die Auswahl an Modellen riesig, und bei Nichtgebrauch verschwinden die Kupplungsträger einfach in der Garage. Durch ihre niedrige Montagehöhe ist darüber hinaus das Be- und Entladen mit geringem Kraftaufwand möglich. All das sind Gründe, warum sich diese Trägerart auch im Reisemobil-Segment etabliert hat. Wichtig bei ihrer Verwendung ist es jedoch, einen Blick auf die Stützlast des Basisfahrzeuges zu werfen: Von dieser hängt es ab, wie schwer das Trägersystem beladen werden darf – und natürlich auch von der Konstruktion des Trägers selbst.

Multitalente für Caravans
Manche Trägersysteme für die Anhängerkupplungen lassen sich per Adapter auch auf der Caravandeichsel montieren. Das scheint auf den ersten Blick eine ideale Lösung zu sein: Bei angehängtem Wohnwagen werden die Fahrräder auf der Deichsel transportiert, am Urlaubsort angekommen wandert der Träger einfach auf die Anhängekupplung – und schon steht Auto-Ausflügen mit den Rädern am Heck nichts mehr im Wege.
Doch bevor man sich für ein solches Multitalent entscheidet, sollte eine ausführliche Beratung durch den Händler erfolgen – schließlich gibt es einiges zu beachten: So erfordert der Transport auf der Caravan-Deichsel eine entsprechend hohe Stützlast am Zugfahrzeug, darüber hinaus kann der Knickwinkel des Gespanns durch die weit ausladenden Fahrräder spürbar eingeschränkt werden. Dann verhindert nur vorsichtiges Rangieren Kratzer oder Beulen am Fahrzeug. Praktisch ist es, wenn auch bei montierten Fahrrädern der Zugang zum Deichselkasten noch möglich ist; dies erleichtern Trägersysteme, die nach vorne geklappt werden können.

Kastenwagen erfordern Spezialisten
Bei Heckträgern für Kastenwagen ist es entscheidend, dass dessen Hecktüren beziehungsweise die Heckklappe auch bei aufgeladenen Fahrrädern noch zu öffnen sind. Um dies zu gewährleisten, werden beispielsweise die Träger bei Kastencampern mit zweigeteilten Hecktüren nur an einer der beiden befestigt (beziehungsweise an deren Scharnieren) und schwenken beim Öffnen der Tür zur Seite. Eine andere technische Lösung des Problems findet sich bei Trägersystemen, die zum Öffnen der Hecktüren zur Seite geschoben werden – diese benötigen jedoch den entsprechenden seitlichen Freiraum neben dem Fahrzeug.
Bei kleinen Campingbussen mit nach oben schwenkender Heckklappe und daran montiertem Träger muss dagegen beim Öffnen das oft nicht geringe Gewicht der Fahrräder per Muskelkraft nach oben gestemmt und gehalten werden, da die Kraft der Serien-Gasdruckdämpfer dem Zusatzgewicht meist nicht gewachsen ist.

Träger für Wohnaufbauten
Die geraden und meist fensterlosen Rückwände von Reisemobilen mit Wohnaufbauten – vom Alkoven bis zum Vollintegrierten – sind optimal für die Montage von Trägersystemen. Doch auch hier gibt es Dinge zu beachten: Denn zur stabilen und sicheren Montage sind die (weichen) Sandwich-Konstruktionen der Wohnaufbauten eigentlich gar nicht geeignet, da Schrauben in ihnen nicht den nötigen Halt finden. Aber das wissen die Aufbauhersteller natürlich auch und bauen deshalb Verstärkungen in die Rückwände ein, deren Positionierung von außen nicht sichtbar ist. Deshalb erfordert die Montage von Heckträgern an der Aufbau-Rückwand einen Fachmann, der die exakte Position der Montagepunkte ebenso kennt wie die vom Hersteller des Reisemobils festgelegte Maximallast, die befördert werden darf.

Berechnung der Hinterachsbelastung
Die Hebelwirkung beeinflusst die Achslast.  Foto: Hersteller

Die Hebelwirkung beeinflusst die Achslast. Zum Vergrößern auf die Grafik klicken. Foto: Hersteller

Die Hinterachsbelastung, die ein Heckträger mit Beladung verursacht, lässt sich mittels der relativ einfachen Formel berechnen. Dabei steht „H“ für besagte Hinterachsbelastung, „G“ für das Gewicht des Transportgutes, „A“ für den Abstand des Trägers zur Vorderachse (in cm) und „R“ für den Radstand des Fahrzeuges (ebenfalls in cm). Nehmen wir beispielsweise ein Gewicht von 150 kg für Motorroller und Träger an, multiplizieren dies mit 470 cm Abstand zur Vorderachse, gemessen von der Mitte des Heckträgers (Aufstandspunkte Motorroller) zur Radnabe, und teilen das Ergebnis (70.500) durch den Radstand von 320 cm, kommen wir auf knapp über 220 kg, die als Hebelarm der Hecklast auf die Hinterachse wirken; was rund 70 kg über dem tatsächlichen Gewicht des Paketes Motorroller/Heckträger liegt.

Absenkbare Trägersysteme
Um ein Fahrrad oder gar ein E-Bike, das schnell einmal 25 Kilogramm auf die Waage bringen kann, auf einen vielleicht eineinhalb Meter hoch montierten Heckträger zu wuchten, ist eine Menge Kraftaufwand nötig. Manchen Reisemobilisten ist das zu beschwerlich, andere scheitern gar komplett an diesem Unterfangen. In beiden Fällen bringen absenkbare Heckträger-Systeme ein deutliches Komfort-Plus. Zum Be- und Entladen können diese auf Bodenhöhe abgesenkt werden, um anschließend wieder auf das eigentliche Transportniveau hochgeklappt oder -gekurbelt zu werden – bei Luxusmodellen genügt dazu ein Knopfdruck und die Arbeit wird von einem Elektromotor erledigt.

Wenn’s richtig schwer wird
Alle bisher beschriebenen Heckträger-Systeme sind perfekt geeignet, solange nur relativ leichtes Transportgut wie Fahrräder transportiert werden sollen. Muss aber schwereres Ladegut – wie beispielsweise ein größeres Motorrad – mit auf die Reise gehen, werden Transportsysteme nötig, die ihren Halt direkt auf dem Fahrzeug­rahmen finden. Die Auswahl ist vergleichbar groß wie bei den Systemen für die Anhängerkupplung, Hecktüren oder die Rückwände von Wohnaufbauten: Auch hier lässt sich von starr montierten über klapp- beziehungsweise schiebbare Träger bis hin zu ausziehbaren Stoßstangen zur Aufnahme des Transportgutes alles Erdenkliche für die verschiedensten Anforderungen finden. Besonders variabel sind dabei Systeme mit einer Lastenplattform, auf die man je nach Bedarf individuelle Halterungen für alle Arten von Zweirädern oder auch Transportboxen montieren kann.
Der wesentliche Vorteil der auf dem Fahrzeugrahmen montierten Transportsysteme ist jedoch ihre hohe Traglast von bis zu 200 Kilogramm. Doch solch hohe Gewichte weit hinten am Fahrzeug verlagern auch den Schwerpunkt des gesamten Reisemobils spürbar Richtung Fahrzeugheck, was wiederum die Vorderachse entlastet. Darunter leidet die Lenkpräzision ebenso wie das Fahrverhalten, und bei Vorderradantrieb verringert sich zusätzlich auch noch die Traktion, die Antriebsräder drehen also schneller durch.
Für welche Zuladungen das Chassis des eigenen Fahrzeugs ausgelegt ist, weiß der Hersteller eines Trägersystems, schließlich muss er für sein Produkt ein entsprechendes EG-Typgutachten vorweisen. Dies bekommt der Kunde beim Kauf mit auf den Heimweg, ein Eintrag in die Fahrzeugpapiere ist damit nicht mehr erforderlich.

Massenlehre
Generell spielt das Gewicht des Transportgutes eine wesentliche Rolle bei der Auswahl des Trägersystems. So verkraften Heckträger, die ohne großen Montageaufwand direkt an der Heckklappe beziehungsweise den Heckflügeltüren von Kastenwagen eingehängt und über ein Klemmsystem fixiert werden, nur relativ niedrige Traglasten von rund 40 Kilogramm. Für Fahrräder ist das ausreichend. Sollen aber beispielsweise mehrere E-Bikes mit auf die Reise gehen, empfehlen sich Träger, die mit den Scharnieren der Hecktüren verschraubt sind – diese können dann schon rund das Doppelte an Gewicht aufnehmen.
Nochmals deutlich mehr Zuladung verkraften Trägersysteme, die auf der Anhängerkupplung ihren Halt finden: Bis zu 150 Kilogramm sind hier möglich, falls die Stützlast des Fahrzeugs dieses Zusatzgewicht erlaubt. Die höchste Traglast – wie erwähnt bis zu 200 Kilogramm – verkraften die Träger, die auf einer Verlängerung des Fahrzeugrahmens montiert sind. Aber auch hier gilt eine Einschränkung: Die in den Fahrzeug-Papieren eingetragene Hinterachslast darf nicht überschritten werden (siehe Infokasten). Treten hier Probleme auf, kann eine Luftfederung Abhilfe schaffen, die nicht nur das Heck bei Beladung anhebt und der negativen Schwerpunktverlagerung entgegenwirkt, sondern oft auch eine Erhöhung der Achslast ermöglicht.

Gesetzeshürden
Natürlich werden die Montage und Beladung von Heckträgern durch Vorschriften der Straßenverkehrsordnung geregelt. Der „Abstand vom äußeren Punkt des Transportgutes bis zur Mitte des Rücklichtes darf nicht mehr als 40 Zentimeter betragen.“ In der Breite ist zu beachten, dass das Fahrzeug mit Ladung die 2,50-Meter-Grenze nicht überschreitet. Natürlich dürfen auch die Rücklichter sowie das Nummernschild weder durch den Träger noch durch das Transportgut verdeckt werden. Sonst muss eine zusätzliche Beleuchtungsleiste mit einem zweiten Kennzeichen montiert werden. Den Strom dafür liefert eine 13-polige 12-Volt-Anhänger-Steckdose. Und Teile, die sich unter Umständen leicht vom Transportgut lösen können – beispielsweise eine Luftpumpe bei Fahrrädern – muss man vor Fahrtbeginn abnehmen und im Auto verstauen.

Hersteller & Händler von Heckträgern für Kastenwagen und Wohnmobil
Alu Line · Metallbearbeitungsgesellschaft mbH
Martin-Staud-Straße 25 · 88348 Bad Saulgau
Tel. 07581-48840
www.alu-line.de


Bosal Deutschland GmbH
Metallstraße 5 · 41751 Viersen
Tel. 02162-9590
www.bosal.de


Buck-Ideen
Höhenweg 13 · 88518 Herbertingen
Tel. 07586-9191086
www.buck-ideen.com


Eckla GmbH
Brunnenstraße 34 · 74626 Bretzfeld-Schwabach
Tel. 07946-91550
www.eckla.de


Exploryx GmbH & Co. KG
Arist-Dethleffs-Straße 2 · 88316 Isny
Tel. 07562-905291
www.exploryx.de


Fiamma Service Deutschland
Römerstraße 1 · 85570 Ottenhofen
Tel. 09726-907210
www.fiammaservice.de


Heck-Pack GmbH & Co. KG · mobile Hecktransporter-Systeme
Krauthof 6 · 53783 Eitorf
Tel. 02243-3551
www.heck-pack.de


Liberco Systems GmbH
Im Westenbusch 46 · 49152 Bad Essen
Tel. 05472-9549980
www.liberco.de


Linnepe GmbH
Brinkerfeld 11 · 58256 Ennepetal
Tel. 02333-98590
www.linnepe.eu


Movera GmbH
Holzstraße 21 · 88339 Bad Waldsee
Tel. 07524-7000
www.movera.com


Sawiko Fahrzeugzubehör GmbH
Ringstraße 3 · 49434 Neuenkirchen-Vörden
Tel. 05493-99220
www.sawiko.de


Rameder Anhängerkupplungen und Autoteile GmbH
Am Eichberg Flauer 1 · 07338 Leutenberg
Tel. 036734-35487
www.kupplung.de


Thule GmbH
Dreichlingerstraße 10 · 92318 Neumarkt
Tel. 09181-9010
www.thulegroup.com


Uebler GmbH
Sandäcker 7 · 91301 Forchheim
Tel. 09191-73620
www.uebler.com


Weih-tec · Technische Systeme Robert Buck
In der Lehmgrube 3 · 88326 Aulendorf
Tel. 07525-9249670
www.weih-tec.de


Westfalia Automotive GmbH
Am Sandweg 45 · 33378 Rheda-Wiedenbrück
Tel. 05242-9070
www.westfalia-automotive.de

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