Städte-Tour – Sevilla von Jacqueline Brunsch
Touristinfo Sevilla
Plaza del Triunfo 1 · 41004 Sevilla

  • täglich geöffnet von 8 bis 20 Uhr

Infos: www.turismosevilla.org

Der Architekt des Metropol Parosol muss ein Märchen-Freund sein. Darüber sind sich die Besucher der großen Holzkonstruktion an diesem Morgen einig. Schließlich wirken die sechs wabenartigen Pilze in Sevillas Altstadt wie das Bastel-Modell eines handfertigen Riesens, der alles in Filigranarbeit zusammengesetzt und inmitten der Plaza de la Encarnacíon zur Schau gestellt hat.
Und so ist es nicht verwunderlich, dass die schlangenförmige Panoramaterrasse zwischen den Pilzhüten längst ein beliebter Ausgangspunkt ist, um die andalusische Hauptstadt zu erkunden. Überall recken hier Menschen auf Zehenspitzen stehend ihre Selfie-Sticks in die Luft, um in 26 Metern Höhe noch ein paar Zentimeter weiter über den Dächern der prachtvollen Altstadt zu sein. Besonders lange verharren viele auf der Plattform gen Süden: Eingerahmt von der Iglesia de la Anunciación und der Iglesia de San Pedro thront die Giralda der Kathedrale Santa María de la Sede auch nach mehr als sieben Jahrhunderten noch über dem historischen Stadtkern.
Doch Sevilla hat noch mehr zu bieten als Kirchen und futuristische Aussichtsplattformen. Ein kurzer Spaziergang über alte Pflastersteine und die palmengesäumte Plaza Cristo de Burgos führt beispielsweise direkt zur Casa de Pilatos. Vor der Residenz der Grafen von Medinaceli angekommen, fällt vor allem zweierlei auf: Die maurische Zierkunst im Carrara-Marmor und die Menschenmassen, die sich davor drängen. Kein Wunder: Die großen, lichtgefluteten Höfe und die stilvoll eingerichteten Räume sind beliebte Schauplätze von Hollywood-Produktionen. Und auf den Spuren von Lawrence von Arabien wandelnd gibt es tatsächlich einiges zu sehen. Heimlicher Höhepunkt ist der Pferdestall. Denn selbst die Rösser durften einst zwischen Säulen und Stuck schlafen.
Müde sind nun auch die Touristenmassen, die in Richtung El Arenal weiterziehen. Zeit für eine Siesta. In den schmalen Gässchen rund um die Kathedrale duftet es bereits nach Gambas al ajillo (mit Knoblauch), Patatas bravas (frittierten Kartoffelwürfeln) und Fleischstückchen in Soße. Besonders Glückliche haben einen Bodega-Platz mit Blick auf das Straßentreiben ergattert und beobachten gebannt wie Musikanten von Tisch zu Tisch ziehen oder „Christoph-Kolumbus-Denkmäler“ gegen einen Obolus zum Leben erwachen. Sevilla bietet auch außerhalb der historischen Gebäude gute Unterhaltung.
Irgendwann siegt dennoch die Unternehmungslust – der mittelalterliche Königspalast liegt schließlich in der Nähe. Nach halbstündiger Wartezeit vor dem Löwentor des Real Alcázar werden die Besucher im Palast von Peter dem Grausamen mit einer großen Parkanlage, stuckverzierten Gebäuden und pompösen Säulengängen belohnt. Hier könnte man getrost den halben Tag verbringen.
Als sich der Abend nähert, führt der Weg dennoch zur Puente de San Telmo. In ihrem pastellgelben Gewand spannt sich die Brücke unscheinbar über den Canal de Alfonso XIII, doch sie ist ein wichtiges Stück sevillanischer Geschichte: Von hier aus legten 1905 die ersten Auswandererschiffe in Richtung neue Welt ab.
So ist es fast ein wenig schade, dass heute nur noch der Blick aufs Wasser an diese Epoche erinnert, der Grund mag aber simpel sein: Mittlerweile möchte sich nämlich kaum ein Besucher dieser Stadt vorstellen, Sevilla schon bald wieder verlassen zu müssen.


Unterwegs in der Stadt
Schon allein wegen seiner überschaubaren Größe und seiner Schönheit sollte Sevilla fußläufig erkundet werden – sonst verpasst man etwas. Zudem ist im Zentrum nahezu kein Nahverkehrssystem vorhanden. Das mag auch an den engen Altstadtgassen liegen, die auch so manchen Autofahrer zur Verzweiflung treiben können.
Wem die Erkundung zu Fuß dennoch zu zeitintensiv ist, der kann auch getrost aufs Rad steigen. Immerhin ist Sevilla die viertfreundlichste Fahrradstadt der Welt. Insgesamt bildet das Radnetz eine Länge von über 140 Kilometern. Aus diesem Grund hat das Projekt Sevici in der ganzen Stadt mehr als 250 vollautomatische Fahrradstationen eingerichtet. Ein Wochenpass kostet 12,30 Euro.
www.elecmove.com


Rundgänge
Sevilla ist Schauplatz in über 100 verschiedenen Opern, da darf ein Rundgang zu diesem Thema nicht fehlen. Die Opern-Führung von Sevilla Official Tours nimmt die Besucher mit an die Schauplätze, die einst Mozart, Rossini und Bizet zu ihren Meisterwerken inspirierten.
Aus einer etwas anderen Sichtweise lässt sich die Stadt bei einem Rundgang über die Dächer entdecken. Aus der Vogelperspektive werden zuvor unsichtbare Details plötzlich sichtbar.
Bewegungsfreudige Touristen haben dagegen bei einer geführten Fahrradtour von Panchotours die Möglichkeit, die andalusische Metropole und seine Sehenswürdigkeiten sportlich zu erkunden.
www.sevillaofficialtours.com | www.panchotours.com


Sehenswertes
Sevilla Wahrzeichen Nummer Eins ist ein absolutes Muss: Die 50.000 Quadratmeter große und als Halbkreis angelegte Plaza de España wird von Keramikkacheln in ein blau-weißes Farbenmeer getaucht. Auf dem Kanal schippern Gondeln umher und im Hintergrund sorgen Prunkbauten für den entsprechenden Rahmen.
Markant ragt dagegen der Torre del Oro (Paseo de Cristóbal Colón) in der Hafeneinfahrt der andalusischen Hauptstadt empor. Der ehemalige Wachturm beherbergt heute das Museum für Schifffahrtskunde, ist aber auch so einen Besuch wert.
Nicht weit entfernt lockt das alte jüdische Viertel Santa Cruz mit seinen schmalen Gassen und kleinen Läden.
www.sevillaonline.es


Museen
Im Kloster aus dem 13. Jahrhundert untergebracht, ist das Museo de Bellas Artes (Plaza del Museo 9) eines der wichtigsten Kunstmuseen des Landes. Werke bedeutender Künstler wie der Hofmaler Velázquez, Esteban Murillo oder auch van Dyck sind hier ausgestellt.
Moderner geht es im Centro Andaluz de Arte Contemporáneo (Avenida Américo Vespucio 2) zu. Eine ehemalige Keramikfabrik auf dem einstigen Expogelände dient als Schauplatz für zahlreiche Ausstellungen zur spanischen Gegenwartskunst.
Das neu eröffnete Museum des Flamenco-Tanzes (Calle Manuel Rojas Marcos 3) zeigt die Ursprünge und Entwicklung des Tanzes anhand interaktiver Exponate.
www.museosdeandalucia.es | www.museoflamenco.com


Kirchen
Die im 16. Jahrhundert vollendete Kathedrale Santa María (Av. de la Constitución) de la Sede ist ein imposantes Bauwerk: Immerhin gehört sie zu den größten Kirchen der Welt. Ein Hingucker sind auch die Giralda, das einstige Minarett der früheren Moschee, sowie der Orangenhof. Auch die Basilica de la Macarena (Calle Bécquer 1–3) ist einen Besuch wert. Die Kirche selbst ist zwar erst in den Vierzigerjahren entstanden, beheimatet aber eine der meistverehrten religiösen Ikonen in Sevilla: Ein Madonnenbildnis der Jungfrau der Hoffnung von Macarena. Während der Karwoche wird die Holzfigur aus dem 17. Jahrhundert in einer feierlichen Prozession durch die Straßen getragen.
www.catedraldesevilla.es | www.hermandaddelamacarena.es


Flamenco
In Sevilla schlägt der Puls des Flamenco-Tanzes. Deshalb werden überall in der Stadt entsprechende Shows angeboten. Eine der authentischten wird im Centro Cultural Flamenco – Casa de La Memoria (Calle Cuna 6) gezeigt. Die allabendlichen Darbietungen im Stadtpalais sind besonders intim und von hoher Qualität.
Wer es etwas gehobener mag, kann sich eine der Aufführungen im El Arenal (Rodo 7) anschauen. Hier werden während der zweimal täglich stattfindenen Abendveranstaltungen ganze Menüs serviert.
Ursprünglicher ist es im Casa del Flamenco (Calle Ximénez de Enciso 28). Die Shows sind die einzigen, die ohne Mikrofone oder andere Verstärkungstechnik auskommen.
www.casadelamemoria.es | www.tablaoelarenal.com


Restaurants
In Sevilla überwiegt die Vielzahl aus Fischlokalen oder Restaurants mit mediterraner Küche. Besonders empfehlenswert ist das Az-Zait (Plaza San Lorenzo 1). Hier wird kreative Mittelmeerküche aufgetischt. Ein echter Geheimtipp ist die Entenbrust mit Zimt!
Im Mesón del Asador (Sinaí 19) gibt es eine breite Auswahl von Fleischgerichten aus dem Holzofen oder zum selbst Grillen.
Wer etwas Abwechslung von der spanisch-mediterranen Küche braucht, sollte im Bauhaus (Marqués de Paradas 53) vorbeischauen. Hier gibt es neben Salaten, Pasta- und Fleischgerichten sogar Brunch­angebote. Für die musikalische Untermalung sorgen regelmäßig DJs.


Bodegas
Das El Rinconcillo (Gerona 40) ist nicht nur besonders pittoresk, sondern auch die älteste Bodega der Stadt – sie öffnete bereits 1670. Im museumshaften Ambiente können Gäste den exzellenten Wein und einfache Tapas kosten.
Viel Geschichte steckt auch hinter den Türen der Bodega Morales (García Vinuesa). Seit 150 Jahren gibt es hier Sherry und Wein aus dem Tonfass.
An die spanische Stierkampftradition knüpft die Bodega Paco Góngora (Padre Marche-na 1) an: Von den Wänden starren ausgestopfte Bullenköpfe und neben einer Auswahl an Tapas-Variationen aus Fisch und Meeresfrüchten wird als Spezialität auch Stierschwanz angeboten.
www.elrinconcillo.es | www.bodegagongora.com


Einkaufen
Sevilla ist ein wahres Schuhparadies. In kaum einer anderen Stadt gibt es mehr Läden, die sich auf Fußmode spezialisiert haben. Vor allem im Viereck Plaza Nueva/Plaza del Salvador/Calle de la Campana und San Eloy ter wird man fündig. Außerdem reihen sich hier internationale Modeketten an kleine Boutiquen mit jahrzehntelanger Geschichte.
Besonders kreativ geht es in der Calle Regina zu. Kleine Szeneläden bieten von Mode bis zur Innendekoration alles.
Elegante Mode für Frauen und Männer von Reitstiefeln bishin zu Hüten wird in der Calle Adriano angeboten.
Ein Muss ist der Besuch in einer der Markthallen, zum Beispiel der Mercado El Arenal (Calle Arenal/Calle Genil).
www.spain.info/de


Mit Kindern
Im Themenpark Isla Mágica (Isla de la Cartuja) gibt es für kleine Urlauber fünf Welten, um die Zeit der Entdecker zu erkunden und 26 Fahrgeschäfte zu testen.
Ebenfalls um Fahrattraktionen geht es im Museum des Königlich Andalusischen Clubs für Fahrsport. Hier können sich die Kinder an 30 Post- und Reisekutschen sowie Pferdetaxis sattsehen und sogar das Transportmittel von Frankreichs letztem König bestaunen.
Im MundoPark (Carretera Guillena-Las Pajanosas), Sevillas Zoo, wird es dann wild. Mit über 150 Tier- und rund 300 Pflanzenarten gibt es genug zu sehen. Besonders beliebt sind das Löwen-, Tiger- und Affengehege.
www.islamagica.es | www.museodecarruajes.es


Kultur
Seit der Expo 1992 ist das Teatro de la Maestranza (Paseo de Colón 22) Sevillas Opernhaus. Neben Opern werden in dem bis zu 1800 Zuschauer fassenden Konzertsaal auch Zarzuelas (Spanische Operetten) und andere musikalische Darbietungen aufgeführt.
Das im Jahre 1929 eröffnete Teatro Lope de Vega (Avda. María Luisa) gilt als eines der wichtigsten Theater Spaniens. Nationale Künstler und Schauspieler treten hier in Theater-, Tanz-, Oper-, Jazz- und Flamenco-Darbietungen auf.
Deutlich neuer ist das Teatro Central (Calle José de Gálvez 6), das auf der Cartuja Insel auf dem westlichen Teil des Flusses Canal de Alfonso XIII errichtet wurde. Hier gibt es Musik, Tanz und Theater.
www.teatrodelamaestranza.es


In der Natur 
Hinter der Plaza de España liegt Sevillas Stadtpark, der Parque de María Luisa (Avenida de la Palmera). Zur Ibero-amerikanischen Ausstellung von 1929 geschaffen, kommt die Grünanlage einem Freilichtmuseum gleich: Die imposanten Alleen kreuzen sich an runden Plätzen mit Springbrunnen und Statuen. Besonders idyllisch sind auch der Lotus- und Ententeich.
Auch in den Jardines de Murillo (Calle Jardines de Murillo) lässt es sich unter den riesigen Gummibäumen und Palmen wunderbar verschnaufen. Früher lagen hier die Obst- und Gemüsegärten des Real Alcázar, dem mittelalterlichen Königspalast von Sevilla.
www.sevilla.amr-design.de


Am Abend 
Einst ein verrufener Boulevard ist die 300 Meter lange Alameda de Hércules heute vor allem bei Nachtschwärmern beliebt. Viele Besucher und Einheimische machen in den Abendstunden in den Kneipen und deren Terrassen halt, bevor in den Diskotheken weitergefeiert wird. Ein beliebter Treffpunkt ist das Habanilla Café (Alameda de Hércules 63). Hier treffen sich die musiklalischen Künstler der Stadt.
Auch rund um die Kathedrale und am Flussufer locken Lokalitäten mit kalten Getränken. Eine besonders schöne Aussicht bietet die Muelle de Nueva York (Paseo de las Delicias 3). Mit Blick aufs Wasser wird hier eine besonders lauschige Atmosphäre geboten.
www.habanillacafe.es | www.muellenewyork.com


Umgebung
Gerade einmal acht Kilometer nordwestlich von Sevilla entfernt liegt die antike Römerstadt Itálica (Avenida de Extremadura 2). In der im Jahre 205 v. Chr. erbauten Veteranenstadt sind die Fundamente einiger Gebäude noch gut erhalten. Besonders sehenswert sind aber die berühmten Fußbodenmosaike und das Amphitheater – nur die Arenen in Rom und Capua waren größer.
43 Kilometer nordöstlich von Sevilla liegt das beschauliche Städtchen Carmona. Zu Besichtigen gibt es beispielsweise die Necrópolis Romana (Avenida de Jorge Bonsor 9), das alte Stadttor und die Zitadelle, die ehemals das wichtigste Fort Peters des Grausamen war.
www.museosdeandalucia.es | www.turismo.carmona.org


Fazit
Im Schatten der Touristen-Hochburgen Barcelona und Madrid ist Sevilla noch ein Geheimtipp. Dabei hat die andalusische Metropole seinen Besuchern genau so viel zu bieten. Antike Römerruinen liegen ebenso vor der Tür wie ein mittelalterlicher Königspalast und Kirchen. Die Plaza de España vereint außerdem einen einmaligen Mix aus andalusischer Keramikkunst und venezianischer Kanalromantik. Für all diejenigen, die des Kitsches überdrüssig sind, weiß Sevilla aber auch moderne Akzente zu setzen. So ist der Metropol Parasol nicht nur an sich einmalig, sondern auch der nächtliche Ausblick von der obersten Plattform der Holzpilze. Die Bodega-Besuche an den Abenden runden den Besuch bei den Sevillanos perfekt ab.

Wohnmobil-Stellplätze & Campingplätze | Sevilla
Camping Villsom
Carretera N-IV · 41703 Dos Hermanas
GPS: 37°16’39.4″N/05°56’11.7″O
Etwas abgelegen bietet der Platz in Dos Hermanas vor allem Stellplätze für schmale, lange Fahrzeuge. Auf der sauberen Anlage sind auch ein Pool und ein Minigolfplatz vorhanden. Bis in die City dauert es mit Öffentlichen Verkehrsmitteln etwa 40 Minuten.
www.campingvillsom.blogspot.de


Monasterio de la Cartuja
Calle Camino de los Descubrimientos · Sevilla
GPS: 37°23’46″N/06°00’24.2″O
Auf dem Stellplatz können bis zu acht Reisemobile gleichzeitig parken. Zu Fuß sind es 2,5 Kilometer bis ins Stadtzentrum.

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