Kroatien – Cres und Lošinj (Seite 1 von 2) von Kathrin Kern
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Über zehn Millionen Touristen jährlich können sich nicht irren. Kroatien ist ein traumhaftes Urlaubsland mit sage und schreibe 1.777 Kilometern Festland-Küste; und würde man die Strände und Steilküsten der über 1.000 Inseln mitrechnen, kämen etwa 6.000 Kilometer zusammen. Ganze 91 dieser Strände wurden in diesem Jahr mit der „blauen Flagge“ ausgezeichnet, einem internationalen Umweltsymbol für hervorragende Meerwasser- und Strandqualität. Klingt wie der Prospekt eines Reiseveranstalters, oder? Ist aber Fakt und hat uns dazu bewogen, dieses EU-Mitglied in Südosteuropa ganz oben auf unsere Sehnsuchtsliste der Urlaubsländer zu schreiben.
Wem das als Grund noch nicht reicht, dem sei die Studie einer österreichischen Bank genannt, die errechnet hat, wie viel der „Urlaubs-Euro“ in den einzelnen Ländern wert ist. Auch wenn die kroatische Währung Kuna heißt, so gibt sie uns doch etwa 150 Euro Kaufkraft für 100 Euro aus der Urlaubskasse. Das heißt Bootsfahrten, Restaurantbesuche, Campinggebühren – selbst Frühstücksbrötchen und Souvenirs – alles ist vergleichsweise günstig zu haben. Da lassen sich Maut und Brückenzoll bei An- und Abreise verschmerzen.

Auf nach Cres
Es führen bekanntlich viele Wege nach Rom, und für die Fahrt zur Insel Cres spuckt der Routenplaner verschiedene Alternativstrecken aus. Wir entscheiden uns für die sanfteste Route an die Adria und rollen ohne große Höhenunterschiede über gut ausgebaute Autobahnen durch Österreich, Slowenien und vorbei an der kroatischen Hauptstadt Zagreb zur Küste. Die knapp 1.500 Meter lange Brücke, die das Festland mit der Insel Krk verbindet, kostet nur auf dem Hinweg Maut. Wer die größte Insel Kroatiens wieder verlassen möchte, hat freie Fahrt.
Nach knapp 40 unspektakulären Kilometern auf der recht kargen Insel mit dem Namen ohne Vokal erreichen wir Krks kleinen Hafen Valbiska und haben Glück. Die Fähre legt gerade an, nimmt uns mitsamt Reisemobil an Bord und setzt uns 25 Minuten später in Merag auf der Insel Cres wieder ab. In der Landessprache klingt es wie „Tsres“. Na dann, wollen wir diesen Teil des kroatischen Archipels einmal ausführlich erkunden! Vom Fähranleger führt eine recht steile, gewundene Straße hinauf auf ein Hochplateau. Um uns herum uralte Olivenhaine. Die Eichenwälder, die ehemals weite Teile der Insel bedeckt hatten, wurden vor Jahrhunderten für Schiffbau oder als Brenn- und Baumaterial verwendet. Venedig steht zu einem großen Teil auf Baumstämmen aus Kroatien, denn vom 16. bis 18. Jahrhundert befanden sich Cres und die benachbarten Inseln unter venezianischer Herrschaft.
Heute leben die etwa 3.000 Inselbewohner hauptsächlich von Tourismus, Fischfang und Schafzucht. Ein ganz besonderes Naturphänomen stellt der Süßwassersee Vrana dar, auf den wir von der Straße aus einen tollen Blick haben. Er ist das wichtigste Trinkwasserreservoir der Inseln Cres und Lošinj. In 74 Metern Tiefe liegt der Boden dieses Binnengewässers unter dem Meeresspiegel, während der Wasserpegel an der Oberfläche höher ist als Meeres-Niveau.

Qual der Wahl beim Nachtlager
Mehrere Campingplätze – meist mit Kiesstrand – laden zum Verweilen ein. Wir können uns aussuchen, ob wir lieber an der Westküste auf einem Platz mit eigener Tauchschule, im historischen Städtchen Osor unter uralten Pinien oder an der Südspitze der Insel bei Punta Križa in einer abgelegenen Bucht mit Jahrzehnte alter FKK-Tradition unser Reisemobil einparken wollen. Das Wasser ist überall glasklar, und die Pinien verströmen einen betörenden Duft, der uns von nun an für immer an die traumhaften Urlaubstage auf den kroatischen Inseln erinnern wird. Die kleinen Ortschaften sind noch sehr urtümlich. Fisch kauft man am besten direkt vom Boot. Auf den Märkten findet man alte Gemüsesorten, die nicht künstlich hochgezüchtet wurden, sondern himmlisch nach Sonne, Salzluft und Sommer schmecken. Ach, könnte man all diese Eindrücke, Gerüche und Gaumenfreuden doch bloß konservieren und für den Winter mit nach Hause nehmen! So aber heißt es, die Zeit auf Cres in vollen Zügen zu genießen und sich an dem mediterranen Klima zu erfreuen.

Musikalisches Osor
Die älteste Siedlung auf Cres, das kleine Osor, war einst eine der mächtigsten Städte der Adria mit etwa 30.000 Einwohnern. An der Bernsteinstraße gelegen, einer wichtigen Handelsstraße zwischen Europa und Asien, auf der Bernstein, Gewürze und Seide transportiert wurden, war Osor ein bedeutendes Handelszentrum. Heute leben nur noch etwa 80 Menschen dauerhaft in diesem Ort, der wegen seiner Drehbrücke zur Nachbarinsel Lošinj eine Art Verkehrsknotenpunkt darstellt. Ursprünglich gehörten die Inseln Cres und Lošinj zusammen, bis die Römer im 1. Jahrhundert vor Christus einen elf Meter breiten Kanal gruben, damit die Waren und zuweilen sogar ganze Lastschiffe nicht mehr auf Walzen über den schmalen Isthmus transportiert werden mussten. Heutzutage öffnet sich die Brücke zweimal täglich um 9 Uhr und um 17 Uhr, um kleineren Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen.
Auch wenn Osor seine Bedeutung als Handelszentrum verloren hat, so ist es unter Musikkennern besonders in den Sommermonaten ein beliebter Treffpunkt. Überall im Ort findet man Bronzestatuen mit musizierenden Menschen, und die Marienkathedrale aus dem 15. Jahrhundert wird wegen ihrer herausragenden Akustik schon seit über 40 Jahren zur Bühne für international anerkannte Musikabende.

Die beste Luft Europas
Auch wir überqueren die schmale Drehbrücke und sind gespannt, was uns auf der Insel Lošinj erwarten wird. Die Landschaft ist noch grüner, die Küstenlinie noch zerklüfteter und die Luft noch aromatischer. Kein Wunder! Die Insel wurde zum Teil künstlich aufgeforstet und schon 1892 von der österreichisch-ungarischen Monarchie zum Luftkurort ernannt. Besonders das Hafenstädtchen Mali Lošinj, in dem Professor Ambroz Haračić bereits sechs Jahre zuvor den „Verein zur Verschönerung und Bewaldung“ gegründet hatte. Tausende von Kiefernsetzlingen kamen in den Boden, sodass die Bäume heute 130 Jahre alt sind.
Wir finden einen zauberhaften Campingplatz in der Bucht von Čikat und atmen unter ebendiesen Kiefern das Aroma der ätherischen Öle und das Aerosol der salzigen Meeresluft tief ein. Hier soll nachweislich die beste Luft Europas herrschen. Menschen, die an Atemwegserkrankungen oder Allergien leiden, finden in diesem ganz speziellen Heilklima Linderung.
Dieses Klima hat schon von jeher dafür gesorgt, dass die exotischen Pflanzen, die Seefahrer aus aller Welt mitbrachten, üppig wuchsen. So findet man heute einen ausgesprochen großen Pflanzenreichtum von Agaven, Palmen, Eukalyptus und Zitrusfrüchten. Auch Granatapfel, Erdbeerbaum, Datteln und Bougainvillea erzählen Geschichten über weite Seereisen. Die gefürchtete Bora, der stark böige, eisige Fallwind, der vom Festland her aus Ost-Nord-Richtung weht, wird durch die rissigen Hügelketten an der Bucht von Čikat vorbeigelenkt. Dadurch herrscht hier besonders in den Wintermonaten ein ungewöhnlich mildes Klima.
Wir fühlen uns wie berauscht von dem Harzduft der Kiefern und der geradezu „weichen“ Luft. Entlang der unzähligen zerklüfteten Buchten verlaufen 220 Kilometer befestigte Wege, die wir zum Fahrradfahren, Wandern, Walken und Joggen nutzen. Von Pinien beschattet, stets mit Blick auf das türkisfarbene Wasser, in dem man jeden Kiesel einzeln zählen könnte – so klar schimmern sie vom Meeresgrund – wird jede sportliche Aktivität zum Vergnügen. Schwimmen und sonnenbaden kann man hier überall. Und zum Abschluss eines gelungenen Tages kehren wir ein in einem der kleinen Restaurants am Ufer, wo frisch gefangener Fisch auf der Speisekarte steht oder landestypische Gerichte wie Ćevapčići oder Odojak, das allseits beliebte Spanferkel.

Fantastische Ausblicke beim Wandern
So gestärkt wollen wir am nächsten Morgen aufbrechen zu einer kleinen Bergtour. Wir haben Karten, auf denen alle Wanderwege mit Angaben der Gehminuten genau eingezeichnet sind. Von dem kleinen an der Ostseite der Insel gelegenen Ort Nerezine dauert der Aufstieg zum Gipfel des Sveti Nikola gut eineinhalb Stunden. Mit 557 Metern ist es einer der höchsten Punkte auf dem Gebirgszug des Osoršćica. Die rot-weißen Markierungen machen ein Verlaufen unmöglich, und die guten Wege gefallen sogar Menschen mit Höhenangst. Als wir die steinerne Kapelle auf dem Kamm erreichen, werden wir mit fantastischer Sicht belohnt. Besonders der Ausblick nach Süden über das gesamte Archipel ist die Schweißtropfen wert, die wir unterwegs vergossen haben.
Über einen kleinen Abstecher kommen wir zur „Jama Sv. Gaudent“, zur Höhle des heiligen Gaudentius. Der Legende nach hatte um 1020 herum darin der Benediktinermönch wie ein Einsiedler gelebt und alle giftigen Schlangen verflucht. Da es tatsächlich keine Giftschlangen auf der Insel gibt, glauben viele an diese Überlieferung. Wer einen Stein aus diesem Unterschlupf mitnimmt, der soll bis zum Lebensende vor Schlangenbissen sicher sein. Eine gute Sache, denn beim Wandern raschelt und huscht es doch manchmal verdächtig in und um die kleinen Felsspalten herum, auf die wir unsere Füße setzen.
Wer eine weniger anstrengende Tour sucht, der kann weiter südlich ganz bequem mehrere „Zweihunderter“ besteigen. Auch vom 231 Meter hohen Sveti Ivan ist der Blick in die umgebende Landschaft spektakulär. Die besten Fortbewegungsmittel auf Lošinj sind Fahrrad, Roller oder der öffentliche Bus. So gelangen wir auch zu den malerischen Hafenstädtchen Mali Lošinj und Veli Lošinj. Die älteste Siedlung der Insel ist Veli Lošinj, wobei „veli“ eigentlich „groß“ bedeutet. Mali Lošinj, also „Klein-Lošinj“, hat im Laufe der Jahrhunderte durch den wesentlich günstiger gelegenen Hafen an Bedeutung gewonnen und ist heute mit über 6.000 Einwohnern der größte Ort und das touristische Zentrum der Insel.
Straßencafés, Restaurants, Eisdielen und hübsche bunte von Palmen gesäumte Häuser laden zum Bummeln ein. Mit großen Plakaten werben Schiffseigner für ihre Ausflüge zum „Dolphin-Watching“. Etwa 120 Tümmler bilden die letzte große Delphingruppe in der Nordadria, über die man auch im Meeresinstitut „Blaue Welt“ in Veli Lošinj eine Menge erfahren kann.

Zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten
Wir stellen fest, dass die Möglichkeiten für Ausflüge und Aktivitäten auf dieser verträumten Inselgruppe nahezu unerschöpflich sind – und zwar zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Vom kleinen regionalen Flughafen in Artatore starten wir in einer Dreisitzer-Maschine zu einem Panorama-Rundflug. Wenn man von oben die dunkelgrün bewaldeten Inselrücken in der tiefblauen Adria sieht, kann man verstehen, dass Kreidekalk und Dolomitgestein der heutigen Inseln einstige Berggipfel des Festlandes waren, die beim Abschmelzen der Gletscher nach der Eiszeit im Meer versanken.
Auch vom Wasser aus ist ein Perspektivenwechsel möglich. Die südlich und westlich vorgelagerten Inselchen Ilovik und Susak sind mit Ausflugsschiffen leicht zu erreichen. Nach einer guten Stunde ruhiger Seefahrt wirft der Schiffsjunge im Hafen von Susak sein Festmach-Seil aus und lässt uns in einer ganz eigenen Welt von Bord. Uns fällt sofort der breite Sandstrand auf – ganz ungewöhnlich für Kroatien! Eine Reihe Liegestühle mit Sonnenschirmen stellen eine fast unwiderstehliche Verlockung dar, aber zunächst wollen wir natürlich das nur 3,8 Quadratkilometer große Inselchen erkunden.
Bei einem Spaziergang durchs Unterdorf – genannt Donje Selo – fällt auf, wie sandig der Boden ist und wie eng die Gassen. Überall bunt blühende Sträucher und viele Schilfstauden. Über eine recht steile Treppe erreichen wir das Oberdorf, das Gornje Selo. Hier sind die Gassen noch enger, was wahrscheinlich Sinn macht, um die Sommerhitze fernzuhalten. Die meisten der früher etwa 2.000 Einwohner sind nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika ausgewandert. Bei Verwandtenbesuchen in der Heimat sollen die inzwischen an den amerikanischen Lebensstil gewöhnten ehemaligen Inselbewohner der heimischen Kirche eine Klimaanlage spendiert haben. So werden zumindest die Schlitze in der Decke des Gotteshauses erklärt.
Die 200 Bewohner, die heutzutage auf dem autofreien Susak leben, verdienen ihr Geld mit Tourismus, Fischfang und Weinanbau. Im Oberdorf können wir einen uralten Weinkeller besichtigen und das saure Tröpfchen der Insel verkosten. Angeblich werden die Menschen in dieser Abgeschiedenheit besonders alt. Zumindest zeugen davon die Grabsteine der über Hundertjährigen auf dem sehr gepflegten Friedhof. Hier auf Susak spricht man noch einen eigenen kroatischen Dialekt und pflegt mit einzigartigen Trachten das Brauchtum der Vorfahren.

Auch im Winter ein heißer Tipp
Wir könnten noch viel erzählen von den Trauminseln in der Kvarner Bucht, wo die Sonne jedes Jahr 2.600 Stunden lang scheint. Das hat man sonst nur in Nordafrika. In der sonnigsten Ecke Deutschlands, im Kaiserstuhl, sind es „nur“ etwa 1.700. Die schönste Sonnenstunde aber ist die letzte des Tages, wenn die Boote ruhig im Wasser schaukeln und die Sonne entspannt ins Meer taucht.
Früher musste die Erinnerung an den sonnigen Süden den ganzen Winter über anhalten und uns wärmen bis zum nächsten Jahr, denn rund um die Adria verfiel der Tourismus in Tiefschlaf. Seit letzter Saison aber hat der Campingplatz in der geschützten Bucht von Čikat das ganze Jahr über geöffnet. Und warum sollte man nicht auch in der kalten Jahreszeit etwas für die Gesundheit tun? Keine Erkältung, keine Schlechtwetter-Depression und kein Winterspeck! Im milden Heilklima von Lošinj kann man das ganze Jahr über sportlich aktiv sein. Man müsste anfragen, ob es das nicht auf Krankenschein gibt. Wir kommen auf jeden Fall bald wieder.
Seite 2 – Guide Kroatien mit Infos zur Anreise, besonderen Verkehrsbestimmungen, wichtige Telefonnummern, Reisemobilstellplätzen in Kroatien und vielem mehr …

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