Heizungs-Systeme für Wohnmobil und Wohnwagen von Theo Gerstl

Wohlige Wärme
Nach einer ausgiebigen Winterwanderung oder einem Tag auf der Piste gibt es nichts heimeligeres, als in einen mollig warmen Camper zurückzukommen. Jetzt noch eine heiße Dusche, ehe das Abendbrot auf dem Tisch steht und draußen Schneeflocken und glitzernde Eiskristalle eine Wintermärchen-Landschaft zaubern. Damit solche idyllischen Urlaubserlebnisse wahr werden, gibt es die verschiedensten Heizsysteme, maßgeschneidert für jede Art und Größe von Reisemobilen oder Caravans.

Per App ins warme Heim
Insbesondere im Hinblick auf den Bedienkomfort haben die Hersteller in den letzten Jahren mächtig zugelegt: Vorbei sind die Zeiten, als man die Heizung den ganzen Tag durchlaufen ließ, um beim Nachhausekommen nicht einen frostigen Wohnraum vorzufinden. Auch das Aktivieren der Heizung per Zeitschaltuhr hat ausgedient. War ja auch nicht wirklich praktisch, wenn man sich morgens beim Verlassen des Campers schon festlegen musste, wann man frühestens zurückkommt, um nicht – im wahrsten Wortsinne – „kalt überrascht zu werden“.
Die Steuerung moderner Heizsysteme im Wohnwagen oder Wohnmobil erfolgt inzwischen per App auf dem Smartphone und einem im Fahrzeug installierten Empfänger. Mit solchen Systemen, die inzwischen jeder namhafte Heizungshersteller – von Alde über Teleco bis Truma – im Programm hat, lässt sich vor der letzten Abfahrt die Heizung im Camper einschalten und die Temperatur vorwählen, sodass bei der Ankunft im Wohnraum bereits das gewünschte Klima herrscht. Doch damit nicht genug: Der Funktionsumfang der Fernsteuersysteme wird immer weiter mit dem Ziel ausgebaut, auf möglichst alle Geräte an Bord von unterwegs aus zugreifen und sie bedienen zu können. So lässt sich beispielsweise das jüngst überarbeitete Alde-Heizungssystem Compact 3020 High Efficiency per Alde-App auf dem Smartphone und der entsprechenden Empfänger-Box im Fahrzeug per SMS von überall aus fernsteuern. Per Mobilfunk wird dafür von unterwegs die Temperatur vorgewählt, und wenn nun auch noch eine System-kompatible Klimaanlage im Reisemobil installiert ist, wird die Anlage zur vollautomatischen Klimaautomatik, welche die gewünschte Innenraumtemperatur bei allen Wetterverhältnissen konstant hält. Zusätzlich ist auch noch eine Aufrüstung des Systems mit Wärmetauscher, Booster, Fußbodenheizung und extra Warmwasserbereiter möglich. Die komplette Vernetzung aller Geräte an Bord hat damit also bereits begonnen.

Gas oder Diesel als Energielieferant?
Üblicherweise dient Gas als einer der Energielieferanten an Bord: Im Küchenblock finden sich praktisch ausnahmslos Gaskocher, der Kühlschrank kann ebenfalls damit betrieben werden – da ist es nur logisch, auch die Heizung und den Warmwasserboiler aus der Gasflasche mit Energie zu versorgen. Entsprechend werden zumindest bei Caravans nahezu ausschließlich Gasheizungen verbaut. Auch bei Reisemobilen ist eine Gasversorgung meist schon serienmäßig installiert, doch können hier mit Diesel betriebene Heizsysteme durchaus Vorteile verbuchen. Einen wesentlichen Pluspunkt sammelt die Dieselheizung durch ihr geringeres Gewicht und den minimalen Platzbedarf. So hat beispielsweise Webasto seine Thermo Top Evo, die bereits im Pkw-Bereich eingesetzt wird, für den Betrieb in Reisemobilen optimiert. Die kleinste Heizung auf dem Markt arbeitet stufenlos zwischen 2,5 und 5,0 kW und ist zudem mit einer Dauerheizfunktion ausgestattet.
Während zwei Standard-Stahlgasflaschen mit Elf-Kilogramm-Füllung knapp 45 Kilogramm auf die Waage bringen und einen entsprechend großen, entlüfteten Einbauraum benötigen, ist der Dieseltank ohnehin an Bord und braucht so weder zusätzlichen Stauraum, noch erhöht er das Leergewicht des Fahrzeuges. Beides sind wichtige Faktoren, speziell bei kleinen Campingbussen mit ihrem beschränkten Platzangebot und der geringen Zuladung.
Darüber hinaus verlängert das Heizen mit Diesel die Unabhängigkeit von der Infrastruktur der Campingplätze, da die Heizung den Gasvorrat unangetastet lässt und dieser somit den anderen Verbrauchern – wie Kühlschrank und Kocher – vorbehalten bleibt. Wer schon einmal versucht hat, im Ausland eine Gasflasche aus der Heimat zu tauschen, weiß diesen Vorzug durchaus zu schätzen. Darüber hinaus ist die Kapazität eines vollen Fahrzeugtanks deutlich größer als die der Gasflaschen. Entsprechend braucht der Diesel-Heizer keine Angst davor zu haben, dass mitten in der Nacht die Heizung erlischt und die Kälte in den Innenraum kriecht.
Zu guter Letzt stehen Dieselheizungen in ihrer Leistungsfähigkeit den Gasanlagen in nichts nach, und dank Abgasreinigung haben sie inzwischen auch ihren schlechten Ruf als „Stinker“ abgelegt.

Standheizung aufrüsten
Praktisch für jedes Auto – also auch für die Basisfahrzeuge von Reisemobilen – bieten die Hersteller eine Standheizung als optionales Zubehör an. Diese erwärmt entweder direkt die Luft der Fahrzeugheizung oder das Kühlwasser und bläst dann die über den Wärmetauscher erhitzte Luft ins Fahrzeug. Man steigt also im Winter immer in ein mollig warmes Auto, Eiskratzen gehört damit der Vergangenheit an, und der vorgewärmte Motor erleidet durch die Vermeidung von Kaltstarts einen geringeren Verschleiß. Gleichzeitig sinkt der Spritverbrauch durch den Entfall der Warmlaufphase.
So eine Standheizung ist zweifelsfrei eine feine Sache, aber: Da die Luftausströmung nur durch die Lüftungsschlitze im Fahrerhaus erfolgt, ist sie allein allenfalls in der Übergangszeit als Reisemobilheizung ausreichend. Doch sie kann auch als Zusatzheizung dienen, die speziell das mitbewohnte Fahrerhaus mit seinen großen, schlecht isolierten Fensterflächen mollig warm macht, während eine Gasheizung den restlichen Wohnraum erwärmt. Eine Kombinationsmöglichkeit aus Stand- und Elektroheizung ergibt sich praktisch von alleine, wenn das Reisemobil ohnehin mit einer Klimaanlage ausgerüstet werden soll: Wird hier ein Modell mit einem integrierten Heizsystem (siehe Kapitel Elektroheizung) gewählt, ergeben beide zusammen eine Strom-Diesel-Heizung, die einen zumindest bei vorhandener Außensteckdose durch manche kalte Nacht bringt.

Wasser- oder Luftheizung?
Bei den meisten Reisemobilen und Caravans von der Einsteiger- bis zur Mittelklasse ist serienmäßig eine Warmluftheizung eingebaut. Diese saugt die Innenraum-Luft an, erhitzt sie in einem mit Gas oder Treibstoff betriebenen Brenner und verteilt sie dann über mehrere Ausströmkanäle gleichmäßig im Fahrzeug. Diese Heiztechnik macht eigentlich alles richtig: Durch ihre simple Konstruktion bleibt sie günstig in der Anschaffung und bringt wenig Gewicht auf die Waage – beides sind wesentliche Vorteile, gerade bei kompakten Reisemobilen und Caravans mit ihrer relativ geringen Zuladungskapazität.
Die Warmwasserheizung dagegen verfügt über einen geschlossenen Wasserkreislauf, der erwärmt wird und dann über Wärmetauscher die Innenraumluft erhitzt. Der Sinn dieser indirekten Wärmeerzeugung liegt im hohen Komfort (wie beispielsweise der Option auf eine Fußbodenheizung) sowie der gleichmäßigen und zugluftfreien Erwärmung, was subjektiv als angenehmes Raumklima empfunden wird. Doch die aufwändige Konstruktionsweise hat ihren Preis – sowohl im wahrsten als auch im übertragenen Wortsinn: Die Warmwasserheizung ist in ihrer Anschaffung teuer, weshalb sie werksseitig in der Regel nur in der Oberklasse verbaut wird. Darüber hinaus schlägt sie auch stärker aufs Leergewicht als eine Luftheizung und heizt den Innenraum zusätzlich langsamer auf. Der letztgenannte Punkt lässt sich jedoch durch elektrische Zuheizer im Warmwasserkreislauf kompensieren, zumindest, solange eine Landsteckdose in Reichweite ist.

Elektroheizung
Dass Klimaanlagen auch heizen können, wurde bereits erwähnt. Dabei kommen jedoch zwei unterschiedlich leistungsstarke Lösungen zur Anwendung: Verfügt die Klimaanlage über ein einfaches elektrisches Heizelement, reicht ihre Wärmeleistung allenfalls für kühle Abende. Heizt sie dagegen per Wärmepumpe, dann bleibt es auch in den Übergangszeiten mit Außentemperaturen rund um den Gefrierpunkt noch warm im Fahrzeug. Sinkt das Thermometer tiefer in den Minusbereich, hat aber auch die Wärmepumpentechnik ihre Grenzen erreicht. Die Lösung bringen Kombi-Klimaanlagen, die neben der Wärmepumpe noch über ein zusätzliches Heizelement verfügen.
Als preiswerte Alternative zumindest für feucht-kühle Tage in der Übergangszeit oder als Ergänzung einer schwachen (Stand-)Heizung kann ein Heizlüfter dienen, den es bereits für wenige Euro zu kaufen gibt. Neben dem Preis sprechen kompakte Abmessungen und ein geringes Gewicht zusätzlich für ihn. Wenn man dann noch ein rotierendes Gerät mit eingebautem Gebläse wählt, wird die erwärmte Luft relativ gleichmäßig im Raum verteilt. Aus Sicherheitsgründen sollte der Heizlüfter jedoch über eine Kippsicherung sowie einen Überhitzungsschutz verfügen.
Eine Alternative zu Heizlüftern sind die ebenfalls über das 220-Volt-Stromnetz betriebenen Infrarotheizungen. Während bei Heizlüftern Metalldrähte stark erhitzt werden und so die vorbeiströmende Luft erwärmen, senden Infrarotheizungen Wärmewellen aus, die angestrahlte Oberflächen, beispielsweise von Möbeln oder Wänden, leicht erhitzen, was wiederum zur Erwärmung des gesamten Wohnraumes führt. Ihr Vorteil liegt in der extrem schmalen Bauweise, sodass sie auch in engen Durchgängen die Bewegungsfreiheit kaum einschränken. Gleichzeitig wirbeln sie keinen Staub auf, was nicht nur Allergiker zu schätzen wissen, und auch ihr Energiebedarf ist relativ gering – entsprechend moderat fällt aber auch ihre Heizleistung aus.
Und gerade darin besteht ein weiterer Vorteil der Infrarotheizungen: An ihnen wird kein Bauteil „brandgefährlich“ heiß, und da auf Stell- und Campingplätzen die Stromsäulen oft schwach abgesichert sind, sollte man bei der Wahl seiner Elektroheizung ohnehin darauf achten, dass sie mit niedriger Leistung betrieben werden kann. So gerüstet, eignen sich diese einfachen elektrischen Systeme nicht nur für die Übergangszeit, sondern auch als Ergänzung zur Gas- oder Dieselheizung.

Punktuelle Wärme
Kältebrücken im Fahrerhaus, kalte Füße im Bad oder in der Dinette – in solchen Fällen schaffen punktuelle Wärmequellen in Form von elektrischen Heizfolien Abhilfe. Diese können beispielsweise direkt in die Sitze/Betten eingenäht oder unter dem Bodenbelag beziehungsweise als Heizteppich verlegt werden. Die von ihnen ausgehende Strahlungswärme sorgt für ein angenehmes Raumklima und warme Füße. Elektrische Heizvorhänge wirken dagegen Kältebrücken entgegen, wie sie beispielsweise an den Scheiben des Fahrerhauses auftreten.
Aufklebbare Heizfolien beziehungsweise Heizkabel schützen außenliegende Frisch- und Abwassertanks sowie die dazugehörigen Rohrleitungen vor Frost. Sobald die Außentemperatur am Tank in Richtung Gefrierpunkt sinkt, beginnen diese elektrischen Systeme das Wasser auf bis zu 19 Grad aufzuheizen, um sich anschließend selbständig wieder abzuschalten – so wird das Frisch- und Abwasser zuverlässig frostfrei gehalten und das bei möglichst geringem Stromverbrauch.

Herstelleradressen* | Heizungs-Systeme für Wohnmobil und Wohnwagen
Gasbetriebene Warmwasserheizungen:


Alde Deutschland GmbH
Mühläckerstraße 11 · 97520 Röthlein
Tel. 09723-911660
www.alde-deutschland.de



Gas- und Dieselbetriebene Heizsysteme:


Truma Gerätetechnik GmbH & Co. KG
Wernher-von-Braun-Straße 12 · 85640 Putzbrunn
Tel. 089-4617-0
www.truma.com



Diesel-/Benzinbetriebene Heizsysteme:


Eberspächer GmbH & Co. KG
Eberspächerstraße 24 · 73730 Esslingen
Tel. 0711-939-00
www.eberspaecher.com


Webasto Thermo & Comfort SE
Friedrichshafener Straße 9 · 82205 Gilching
Tel. 0395-5592-229
www.webasto.com



Heizfolien und Heizvorhänge:


CampCo GmbH
Untere Gewerbestraße 1 · 55546 Pfaffen-Schwabenheim
Tel. 06701-20526250
www.campco-gmbh.de


Pro Car GmbH + Co. KG
Hälverstraße 43 · 58579 Schalksmühle
Tel. 02355-893200
www.pro-car.de


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