Interview: Dieter Scharrer – Gasanlagen im Reisemobil und Caravan von Theo Gerst

Die Gasanlage muss regelmäßig vom Fachmann auf ihre Dichtigkeit hin geprüft werden. Welche Intervalle gelten hier, und wer darf eine Gasprüfung durchführen?
Dieter Scharrer: Gasprüfungen dürfen nur entsprechend ausgebildete, sachkundige Personen durchführen. Die turnusmäßige Prüfung muss spätestens alle 24 Monate erfolgen. Fristgerecht ist übrigens alles, was innerhalb des Monats nach Ablauf der Zweijahresfrist erledigt wird.

Sind bei der Gasanlage für die verschiedenen Komponenten Austauschfristen vorgeschrieben?
Dieter Scharrer: Ja, da sind die technischen Regelwerke sehr klar. Für die private Nutzung gilt, dass die Komponenten wie Druckregler oder Schlauchleitung nach spätestens zehn Jahren ausgetauscht werden müssen. Diese Frist berechnet sich ab dem Herstelldatum, das auf den Komponenten aufgedruckt ist. GOK-Schlauchleitungen haben zusätzlich noch einen gelben Anhänger, auf dem die Austauschfristen für verschiedene Nutzungsarten ablesbar sind. Aber unabhängig von allen Vorgaben müssen Komponenten natürlich unverzüglich ersetzt werden, wenn sie defekt sind oder einen Mangel aufweisen.

Was sind die Voraussetzungen für den Betrieb einer Gasheizung während der Fahrt?
Dieter Scharrer: Wer während der Fahrt eine Flüssiggasanlage betreiben möchte, egal ob zum Heizen oder beispielsweise Kühlen, muss für verschiedene Sicherheitseinrichtungen sorgen, die vorgeschrieben sind. Denn kommt es zu einem Verkehrsunfall und die Anlage wird beschädigt, kann unverbranntes Gas austreten. Davor schützen ein Crash-Sensor und eine Schlauchbruchsicherung. Der Crash-Sensor ist eine im Druckregler verbaute Vorrichtung, die bei starker Verzögerung – wie bei einem Unfall mit dem Freizeitfahrzeug – die Gaszufuhr sperrt. Die Schlauchbruchsicherung befindet sich zwischen Flasche und Hochdruck-Schlauchleitung und stoppt sofort den Durchfluss, wenn die Schlauchleitung erheblich beschädigt ist und unkontrolliert Gas ausströmt. Ein Tipp noch: Am besten verbaut man die Schlauchleitungen immer steigend vom Gasflaschenventil zur Regelanlage. So vermeidet man, dass Flüssigphase aus der Flasche in die Schlauchleitung schwappt, sich dort sammelt und in die Regelanlage gerät.

Konventionelle Gasflaschen aus Stahl, leichte Modelle aus Alu oder an der Tankstelle mit Flüssiggas (LPG) nachfüllbare Tankflaschen konkurrieren am Markt – was gilt es zu beachten?
Dieter Scharrer: Grundsätzlich kann da jeder nach Vorliebe, Muskelkraft und Geldbeutel entscheiden. Bis auf eine Ausnahme: Das Nachfüllen an Flüssiggas-Tankstellen durch den Endverbraucher ist grundsätzlich verboten! Auch wenn es diese Angebote gehäuft gibt – selbst das Füllen von sogenannten Tanks in Flaschenform ist nicht zulässig.

Wie kann man nach dem Wechsel der Gasflasche die Dichtheit der Gasleitung überprüfen?
Dieter Scharrer: Das kann jeder mit einer vereinfachten Dichtheitsprüfung selbst machen. Dabei geht man folgendermaßen vor: Zuerst ist zu prüfen, ob die Einzelkomponenten korrekt miteinander verbunden sind, und ist dies der Fall, schließt man alle Absperrarmaturen an der Anlage. Dann öffnet man langsam das Gasflaschenventil und sprüht alle Anschlüsse mit Lecksuchspray ein. Viele holen stattdessen gern das Feuerzeug aus der Hosentasche – davon kann ich aber nur dringend abraten. Niemals sollte man eine offene Flamme zur Prüfung verwenden. Stattdessen achtet man auf weitere Blasen, die sich im Schaum bilden. Im besten Fall tritt kein Gas aus, dann reinigt man die Anlage vom Lecksuchspray und geht zur Tagesordnung über. Tauchen tatsächlich Blasen auf, müssen alle Verbindungen nachgezogen werden. Wenn das nicht hilft, müssen die betroffenen Komponenten unbedingt ausgetauscht werden.

Gerade beim Wintercamping über längere Zeit bietet es sich an, die Gasversorgung über eine große, außen aufgestellte Flüssiggasflasche sicherzustellen. Wie funktioniert das?
Dieter Scharrer: Ja, mit einer 5- oder 11-Kilogramm-Flasche kommt man im Dauerbetrieb nicht weit. Viel komfortabler ist eine 33-Kilogramm-Flasche, die man außen anschließt. GOK hat ein passendes Set entwickelt, das alles enthält, um einfach und sicher von außen einzuspeisen. Im ersten Schritt muss man in die Außenwand des Fahrzeugs eine sogenannte Versorgungsklappe einbauen, als Schnittstelle zwischen außen und innen. Im Fahrzeug montiert ein Installateur eine Rohrleitung und ein manuelles Umschaltventil am Innenwand-Druckregler. An einem der beiden Eingangsanschlüsse des Umschaltventils befindet sich nun die Zuleitung zur Versorgungsklappe, am anderen die Verbindung zur Einflaschenanlage, sprich zur Hochdruck-Schlauchleitung. Am Ausgangsstutzen wird der fest im Flaschenkasten montierte Druckregler angeschlossen. Wenn diese Infrastruktur steht, ist der Rest leicht zu bewerkstelligen. Der Betreiber muss nur noch außen die 33-Kilogramm-Flasche standsicher aufstellen, den Mitteldruckregler anschrauben und mit einer Schlauchleitung die Verbindung zur Versorgungsklappe herstellen. Unbedingt zu beachten ist dabei: Ein anderer Anlagenaufbau ist nicht erlaubt, um von außen Gas zuzuführen.


Unter www.gok-blog.com gibt GOK Antworten auf viele Fragen rund um das Thema Flüssiggas im Caravan oder Reisemobil, die regelmäßig in der Praxis auftauchen.

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