Satellitenanlagen für Wohnmobil und Wohnwagen von Theo Gerstl

Immer im Bilde
Ob es nun das Fußball-Länderspiel ist oder nur der verregnete Urlaubstag, der so gar nicht zum Verlassen des Reisemobils oder Caravans verleitet – ohne Fernsehen ist die tollste Reise nur halb so schön. Entsprechend finden sich auf oder neben den meisten Campingdomizilen Satellitenschüsseln – erlauben sie doch den ungetrübten Empfang heimischer Sender in höchster Qualität und das praktisch überall in ganz Europa. Doch im multimedialen Zeitalter hat sich die mobile Satellitentechnik rasant weiterentwickelt: So können über sie inzwischen auch TV und Laptop mit dem Internet verbunden werden.

Der Empfangsbereich
Die deutschsprachigen Fernseh- und Radiosender werden von den beiden Satelliten Astra und Eutelsat über Europa verteilt, die in Äquatornähe – aus europäischer Sicht also im Süden – in rund 36.000 Kilometern Höhe an festen Positionen im All positioniert sind. Doch ihr Sendesignal ist nicht überall in Europa gleich stark: Während im Zentrum des Sendegebietes optimale Empfangsbedingungen herrschen, wird das Signal in den Randbereichen – wie Skandinavien, Osteuropa oder auch Spanien und Griechenland – immer schwächer. Gleichzeitig gilt der Grundsatz: Je größer die Satellitenschüssel ist, desto besser ist auch ihre Empfangsqualität – was sich speziell in den Randgebieten der Sendegebiete bemerkbar macht. Über die Empfangsqualität von Fernseh- und Radioprogrammen entscheidet also zum einen die geografische Lage des Urlaubsortes und zum anderen die verwendete Satellitenschüssel.
Doch damit eine Satellitenantenne überhaupt Signale aus dem All empfangen kann, dürfen sich keine größeren Hindernisse im Sichtfeld zwischen Antenne und dem Satelliten befinden. Gerade die zum Schatten spenden extra angepflanzten Bäume stören auf Campingplätzen oft den Empfang. In diesem Fall bleibt bei einer fest montierten Dachantenne nur die Suche nach einem neuen Stellplatz. Im Vorteil sind dagegen die tragbaren mobilen Sat-Antennen, die neben dem Reisemobil aufgebaut werden. Sie ermöglichen es, dass das Fahrzeug oder der Caravan im angenehm temperierten Schatten stehen kann, während die Antenne an einem Ort mit freier Sicht zum Satelliten positioniert wird. Nur sollte das Antennenkabel nicht zu lang sein, sonst können Qualitätseinbußen auftreten.

Welche Satellitenschüssel?
Die angepeilten Reiseziele sind also ein wesentliches Kriterium für die Größe der Satellitenschüssel. Im Herzen Europas ist in aller Regel eine kleine Satelliten-Anlage mit einem Durchmesser von rund 45 bis 65 Zentimetern ausreichend. Skandinavienfans, Osteuropafahrer und Reiselustige, die es ans südliche Mittelmeer zieht, kommen dagegen um eine Spiegelgröße von rund 80 Zentimeter nicht herum, wollen sie auch dort einen ungetrübten Empfang sicherstellen.
Nicht nur in der Größe, auch in ihrer Form unterscheiden sich die verschiedenen Satellitenschüsseln. Die am häufigsten anzutreffende Konstruktion ist die Parabolantenne, also die klassische Satellitenschüssel, wie sie auch auf vielen Hausdächern montiert ist. Günstige Preise und die bewährte Technik sprechen für sie.
Einen Tick näher ducken sich dagegen die Flachantennen während der Fahrt aufs Dach des Reisemobils. Falls also jeder Zentimeter Fahrzeughöhe ein Entscheidungskriterium sein sollte, empfiehlt sich die Montage einer Flachantenne. Außerdem befindet sich bei ihr die gesamte Technik geschützt unter einer Kunststoffhülle. Dies gilt auch für Kuppelantennen – eine Sonderversion der Parabolantennen. Ihr Vorteil besteht darin, dass sowohl die Satellitenschüssel als auch der LNB selbst während der Fahrt geschützt vor Wind und Wetter sind – ihr wesentlicher Nachteil ist die Bauhöhe.

Empfangsverbesserung
Um die Empfangsleistung von Satellitenantennen weiter zu verbessern, haben die Entwickler technische Lösungen erdacht, die bei möglichst geringen Abmessungen einen optimalen Empfang gewährleisten. Reist man des Öfteren in die Randgebiete Europas, so lohnt sich die Anschaffung einer Satellitenantenne mit automatischer Skew-Funktion. Während nämlich der LNB in Deutschland für einen optimalen Empfang lotrecht in der Mitte der Sat-Schüssel montiert ist, wird auf Fernreisen durch die Erdkrümmung eine Winkelkorrektur erforderlich – die man als Skew-Faktor bezeichnet. Antennen mit Auto-Skew erledigen diese Korrektur vollautomatisch per Elektromotor – immer passend für das jeweilige Empfangsgebiet.
Wie beispielsweise die automatische Satelliten-Anlage Caravanman 85 Professional GPS von Megasat. Bei ihr sorgt zunächst ein 85 Zentimeter großer Spiegel für eine optimale Radio- und Fernsehqualität in ganz Europa. Darüber hinaus ist sie mit einem Twin-Anschluss, Auto-Skew und als Premiere mit GPS ausgestattet – für eine noch schnellere und genauere Ausrichtung der Antenne. Die Flachantenne Cytrac DX von ten Haaft besteht dagegen aus rund tausend Kleinstempfängern, deren einzelne Signale auf elektronischem Weg zusammengeführt werden. Im Ergebnis ist der Empfangsbereich deutlich größer als bei konventionellen Flachantennen vergleichbarer Größe.

Manuelle oder Automatik-Schüssel
Die übliche Verweildauer an einem Ort sollte ebenfalls bei der Wahl der Satellitenschüssel berücksichtigt werden. Es macht nämlich einen Unterschied, ob mehrwöchige Strandurlaube an nur einem Ort die Regel sind oder eher Rundreisen mit häufigem Wechsel des Standplatzes auf dem Programm stehen. Wer seinen Urlaub meist standorttreu an einem Ort verbringt, kann bereits mit einer preiswerten manuell einstellbaren Satellitenschüssel glücklich werden – auch wenn sie persönlichen Einsatz bei der Suche nach dem Satelliten fordert: Nach jedem Stellplatz-Wechsel muss bei den manuellen Systemen die Satellitenantenne von Hand ausgerichtet werden. Diese etwas pfriemelige Arbeit erleichtern Sat-Finder. Diese kleinen Zusatzgeräte werden zwischen Satellitenschüssel und Empfänger am Antennenkabel angeschlossen und zeigen die aktuelle Signalstärke verzögerungsfrei und direkt bei der Antenne an. Sie erleichtern somit die exakte Ausrichtung der Schüssel – mit überschaubarem Aufwand und hoher Präzision.
Diese Arbeit ersparen automatische Sat-Anlagen, die den vorprogrammierten Satelliten selbstständig anpeilen, sodass schon nach kurzer Wartezeit und ohne weiteres Zutun ein klares Bild auf dem TV erscheint. Diese automatischen Satellitenanlagen kosten zwar deutlich mehr als ihre manuellen Schwestermodelle, sind aber trotzdem eine klare Empfehlung für all diejenigen, die regelmäßig einen neuen Stellplatz anfahren. Da die automatischen Satellitenantennen meist fest auf dem Fahrzeugdach montiert sind, ist ein Sicherheitssystem praktisch, das beim Abschalten der Sat-Anlage oder beim Starten des Motors die Antenne selbstständig einklappt.

Neuer terrestrischer Fernsehstandard: DVBT-2
DVB-T2 HD

DVB-T2 HD

Wer seine Reisen vorwiegend im deutschsprachigen Raum verbringt, für den stellt das terrestrische (erdgebundene) Digitalfernsehen DVB-T eine Alternative zum Satellitenempfang dar. Ganz ohne Satellitenschüssel kommt dieses Fernsehformat aus und ist entsprechend kompakt, leicht zu handhaben und preisgünstig.
Doch das bisherige DVB-T wird nun in Rente geschickt, der Nachfolger DVB-T2 HD steht bereits in den Startlöchern: Am 29. März 2017 beginnt in Deutschland der Umstieg auf das neue digitale Antennenfernsehen DVB-T2 HD mit rund 40 Fernsehprogrammen, die überwiegend in HD-Qualität ausgestrahlt werden. Zeitgleich endet in den jeweiligen Regionen die bisherige DVB-T-Ausstrahlung. Der flächendeckende bundesweite Ausbau soll dann schrittweise bis Mitte 2019 abgeschlossen sein – und auch in Österreich läuft die Umstellung auf DTB-2 bereits.
Durch den neuen Standard werden zwar deutlich höhere Übertragungsraten erreicht, die für eine größere Programmvielfalt und HD-Qualität sorgen. Die momentan genutzten DVB-T-Empfänger können jedoch zum Empfang des neuen DVB-T2 nicht mehr genutzt werden – egal ob es sich um eine Setup-Box handelt oder einen Empfänger, der im Fernsehgerät integriert ist. Zukünftig sind neue DVB-T2-Receiver nötig, die am grünen DVB-T2 HD-Logo erkennbar sind. Viele dieser neuen DVB-T2-Geräte können in der Übergangsphase auch noch die bisherigen DVB-T-Signale entschlüsseln, weil die Hersteller Kombi-Empfänger für beide Systeme verbauen.
Auch mit DVB-T2 HD werden nur die Fernsehsender des Landes empfangbar sein, in dem man sich gerade aufhält. Dafür bleibt auch das neue terrestrische Digitalfernsehen preiswert, sowohl was die Receiver betrifft als auch die Antennen. Mit entsprechenden Empfangsmodulen ist es darüber hinaus auch möglich, auf Laptops, Tablet-PCs und Smartphones fernzusehen, ohne das Datenvolumen des Mobilfunknetzes zu strapazieren.
Eine Vielzahl an Infos zum neuen terrestrische Digitalfernsehen DVB-T2 HD haben die Betreiber auf ihrer Website www.dvb-t2hd.de zusammengestellt.

Mehr als nur Fernsehen
Auch wenn der Empfang der heimischen Fernseh- und Radioprogramme im Ausland bis heute das wesentliche Argument für die Installation einer Sat-Anlage ist, so sind die Kommunikationsbedürfnisse bei Reisemobilisten und Campern inzwischen deutlich komplexer geworden: Diesem Trend trägt beispielsweise Megasat mit seinem „Campingman Kompakt TV on Air“ Rechnung. Diese Sat-Anlage streamt das TV-Signal nicht nur auf den Fernseher, sondern gleichzeitig auf bis zu acht mobile Endgeräte wie Tablets oder Smartphones – wobei jeder sein eigenes Programm sehen kann.
Mit diesen Devices des Computer-Zeitalters hat der moderne Globetrotter auch im Ausland Zugriff auf die aktuellsten Nachrichten, kann Videos und Musik aus dem Internet laden und jederzeit mit den Lieben zuhause in Kontakt treten. Doch so wirklich komfortabel ist dies auf die klassische Weise – also per WLAN und Mobilfunk – nicht: Der Hotspot deckt oft gerade einmal den Umkreis der Rezeption ab, und wer seinen heimischen Lieblings-Radiosender per Mobilfunk hört, wird schnell sein Auslands-Datenvolumen aufgezehrt haben – da sind auch die inzwischen deutlich gesunkenen Roaming-Gebühren innerhalb der EU nur ein schwacher Trost.
Und genau hier setzen die neuesten Sat-Anlagen an: Sie stellen die Verbindung mit dem Internet via Satellit her, so kommen dann Smartphone, Tablet und Laptop ins World-Wide-Web. Doch das klappt nicht mit jeder x-beliebigen Satellitenanlage, sie muss vielmehr dafür ausgerüstet sein. Während nämlich der Empfang von Radio und TV mit der herkömmlichen „Ein-Wege-Technik“ auskommt, ist für die Internetkommunikation die modernere Variante mit „Zwei-Wege-Technik“ erforderlich. Bei ersterer können nur Daten vom Satelliten in Richtung Empfangsgerät fließen, während es die Zwei-Wege-Technik erlaubt, zusätzlich Daten über die Schüssel in Richtung Satellit zu senden. Erst über eine Satellitenantenne mit zwei LNBs (Empfangskonverter) ist es möglich, Internetseiten aufzurufen, E-Mails zu senden oder per Internet zu telefonieren (VoIP). Ein weiterer Vorteil dieser Technik besteht im gleichzeitigen Empfang von zwei unterschiedlichen Fernseh- oder Radio-Programmen, die dann auf verschiedenen Geräten parallel wiedergegeben werden.
So bringt beispielsweise die Satellitenanlage Autosat IP von Crystop High-Speed-Internet ins Reisemobil. Mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 20 Mbit/s im Download und zwei Mbit/s beim Upload bringt diese aus dem Profibereich abgeleitete Anlage Tempo in den Daten-Highway und ermöglicht Internet-Telefonie in perfekter Sprachqualität. Natürlich ist für den Zugang zum Internet die Anmeldung bei einem Provider nötig, wodurch auch beim Internet via Satellit Gebühren anfallen – wie bei jeder herkömmlichen Internetnutzung ja auch. Generell sollte man die Kosten für die Auslandsgebühren und die Tarifkonditionen der verschiedenen Provider bereits im Vorfeld der Reise vergleichen.

Spezielle Fernseher
Damit die Signale der Sat-Antenne vom Endgerät wiedergegeben werden können, ist ein Satelliten-Receiver (DVB-S-Empfänger) nötig. Entsprechend werden viele Sat-Anlagen bereits mit einem passenden DVB-S-Tuner im Paket angeboten. Auch die aktuelle Generation von Fernsehgeräten verfügt bereits über eingebaute Tuner – die sowohl das digitale Satelliten-Signal als auch das terrestrische DVBT-2 entschlüsseln können.
In vielen Details unterscheiden sich die Fernsehgeräte, die speziell für den Einsatz im Reisemobil oder Caravan konstruiert sind, jedoch von jenen für den heimischen Gebrauch. Zunächst einmal ist der aktuelle Trend zu immer größeren Bildschirmen bei den mobilen Geräten kein Thema: Mit einer Größe, die in der Regel zwischen 15 und 24 Zoll liegt, tragen sie den beengten Platzverhältnisse im mobilen Heim Rechnung. Und diese Formate sind auch ausreichend für einen ungetrübten Fernsehgenuss – schließlich sitzt man im Reisemobil oder Caravan relativ nah am TV-Gerät. Als Faustregel bei der Größenwahl des Fernsehers kann man sich folgendermaßen orientieren: Die Bildschirmdiagonale sollte etwa ein Drittel des Abstandes zwischen dem „Fernsehsessel“ und dem Gerät betragen.
Aufgrund der geringen Distanz und der oft nicht optimalen Platzierung des TV-Gerätes ist es dagegen wichtig, dass dessen Betrachtungswinkel möglichst groß ausfällt – sonst dunkelt das Bild schnell ab, sobald man seitlich vom Gerät sitzt.Natürlich müssen auch die hohen mechanischen Belastungen während der Fahrt bei der technischen Auslegung des Fernsehers berücksichtigt werden – TV-Geräte für den mobilen Einsatz sind so konstruiert, dass sie die hierbei auftretenden Erschütterungen auf Dauer aushalten. Zu guter Letzt sollte ihr Betrieb sowohl mit 12 wie auch mit 220 Volt Spannung möglich sein.

Verbindungsfragen
Zur sicheren Befestigung im Reisemobil verfügen die TV-Geräte auf der Rückseite über genormte Bohrungen, die dem internationalen VESA-Standard entsprechen. Mit nur vier Schrauben können sie dann an Schiebe-, Klapp- und Versenk-Armen aus dem Zubehörhandel befestigt werden. Trotz dieser sicheren Montage sollte der Fernseher während der Fahrt in einem Fernsehfach des Möbelbaus verschwinden oder zumindest per Schieberiegel oder Gurt gesichert werden – so wird das TV-Gerät selbst bei einem Unfall nicht zu einen gefährlichen Geschoss.
Die vielen Komponenten einer kompletten Medienanlage müssen natürlich auch miteinander verbunden werden. Geschieht das ausschließlich über Kabelverbindungen, sind unschöne Stolperfallen unvermeidbar. Solchem Kabelsalat wirken drahtlose Vernetzungsmöglichkeiten entgegen. So lassen sich beispielsweise Medieninhalte von mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets per WiFi auf die Bildschirme von TV-Geräten der Oberklasse übertragen. In Gegenrichtung kommt das Tonsignal des Fernseh- oder Radioprogramms per Bluetooth-Modul kabellos zu den Lautsprechern oder zum Kopfhörer.
Die Steuerung der kompletten Technik im Reisemobil oder Caravan realisiert Teleco: Mit einer App auf dem Smartphone und einem Steuergerät im Fahrzeug lassen sich nicht nur Generator und Klimaanlage aus der Ferne regulieren – auch die Satellitenschüssel kann von unterwegs eingefahren werden, sobald beispielsweise ein Unwetter im Anmarsch ist.

VN:F [1.9.20_1166]
Artikelbewertung
Bewertung: 0.0/5 (0 Stimmen)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



7 − 3 =

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>